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Am Holocaust-Gedenktag senkte der deutsche Botschafter zum Zeichen der Trauer die Fahnen auf Halbmast

Halbmastbeflaggung Deutsche Botschaft Warschau zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz

Niemiecka wina i odpowiedzialność pozostaną na zawsze. W dniu pamięci o ofiarach holocaustu Ambasador Niemiec na znak żałoby opuścił flagi do połowy masztu, © Ambasada Niemiec

27.01.2020 - Artikel

Ausgewählte Zitate Deutscher Politiker zu Schuld und Verantwortung für den Holocaust und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs

Willy Brandt

  • Fernsehansprache aus Warschau am 7. Dezember 1970:

    „(…) Wir dürfen nicht vergessen, dass dem polnischen Volk nach 1939 das
    Schlimmste zugefügt wurde, was es in seiner Geschichte hat durchmachen
    müssen. (…)“

Richard von Weizsäcker

  • Rede am 8. Mai 1985 zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa:

    „(…) Wir gedenken insbesondere der sechs Millionen Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden. Wir gedenken aller Völker, die im Krieg gelitten haben, vor allem der unsäglich vielen Bürger der Sowjetunion und der Polen, die ihr Leben verloren haben. (… )

    Die Ausführung des Verbrechens lag in der Hand weniger. Vor den Augen der Öffentlichkeit wurde es abgeschirmt. Aber jeder Deutsche konnte miterleben, was jüdische Mitbürger erleiden mußten, von kalter Gleichgültigkeit über versteckte Intoleranz bis zu offenem Haß. (…)

    Dadurch wird die deutsche Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht verringert. Die Sowjetunion nahm den Krieg anderer Völker in Kauf, um sich am Ertrag zu beteiligen. Die Initiative zum Krieg aber ging von Deutschland aus, nicht von der Sowjetunion.

    Es war Hitler, der zur Gewalt griff. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bleibt mit dem deutschen Namen verbunden. (…)“

Roman Herzog

  • Rede am 1. August 1994 in Warschau zum 50. Jahrestag des Warschauer Aufstandes:

    „(…) Der 1. August ruft uns in Erinnerung, welch unermessliches Leid von Deutschen über Polen gebracht wurde. (…)

    Es erfüllt uns Deutsche mit Scham, dass der Name unseres Landes und Volkes auf ewig mit dem Schmerz und dem Leid verknüpft sein wird, die Polen millionenfach zugefügt wurden. (…)

    Heute aber verneige ich mich vor den Kämpfern des Warschauer Aufstandes wie vor allen polnischen Opfern des Krieges: Ich bitte um Vergebung für das, was ihnen von Deutschen angetan worden ist.“

Joachim Gauck

  • Rede am 1. September 2014, Westernplatte, Gedenkfeier zum deutschen Überfall auf Polen 1939:

    „(…) Die Menschen hier in Polen haben entsetzlich gelitten unter diesem Krieg, der ihnen vom Deutschen Reich aufgezwungen worden war. (…)

    Aber als Nachfahre einer Generation, die brutale Verbrechen begangen oder geduldet hat, und als Nachfahre eines Staates, der Menschen ihr Menschsein absprach, empfinde ich tiefe Scham und tiefes Mitgefühl mit jenen, die unter den Deutschen gelitten haben. Für mich, für uns, für alle Nachgeborenen in Deutschland, erwächst aus der Schuld von gestern eine ganz besondere Verantwortung für heute und morgen.

    Wenn die Beziehungen zwischen Völkern so tief von Unrecht, von Schmerz, von Arroganz und Demütigung geprägt waren wie bei Deutschen und Polen, ist eine Entfeindung alles andere als selbstverständlich. (…)

    Gerade wir Deutschen werden nicht den Kniefall von Willy Brandt in Warschau vergessen, jene Geste der Demut, mit der er um Vergebung für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg bat. (…)

Angela Merkel

  • Rede am 1. September 2009 zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs:

    “(…) Heute vor 70 Jahren begann mit dem deutschen Überfall auf Polen das tragischste Kapitel in der Geschichte Europas. (…)

    Der von Deutschland entfesselte Krieg brachte unermessliches Leid über viele Völker - Jahre der Entrechtung, der Erniedrigung und der Zerstörung. (…)

    Kein Land hat so lange in seiner Geschichte unter deutscher Besatzung gelitten wie Polen. Gerade in dieser dunklen Zeit, über die wir heute sprechen, wurde das Land verwüstet. Städte und Dörfer wurden zerstört. In der Hauptstadt wurde nach der Niederschlagung des Aufstands 1944 kaum ein Stein auf dem anderen gelassen. Willkür und Gewalt durchzogen den Alltag. Kaum eine polnische Familie blieb davon verschont.

    Hier auf der Westerplatte gedenke ich als deutsche Bundeskanzlerin aller Polen, denen unter den Verbrechen der deutschen Besatzungsmacht unsägliches Leid zugefügt wurde. (…)

    Auschwitz steht für den von Deutschland begangenen Zivilisationsbruch der Shoa. (…)

    Verbrechen an der Menschheit verjähren nicht. Wir haben die immer währende Verantwortung, das Wissen über die Gräueltaten von damals weiterzugeben und das Erinnern wach zu halten. (…)„

  • Rede am 26. Januar 2010 im Bundeskanzleramt zum Empfang von Holocaustüberlebenden sowie Auszubildenden:

    “(…) Deutschland hat eine immer währende Verantwortung zu übernehmen für diesen Teil unserer Geschichte. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nur so möglich ist, auch unsere Zukunft gestalten zu können. Deshalb tragen wir natürlich Verantwortung dafür, dass das Gedenken an die Opfer auch von Generation zu Generation weitergelebt wird. (…)„

  • Rede zu Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Versöhnungsmesse (2014)

    “(…) Gerade Polen hatte unsägliches Leid durch Deutsche erfahren. (…)

    Der am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Polen entfesselte Zweite Weltkrieg war der Anfang des dunkelsten Kapitels unserer gemeinsamen Geschichte. (…)

    Mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden waren die grausame deutsche Besatzungsherrschaft in Polen und die systematische Auslöschung jüdischen Lebens in Europa, der Zivilisationsbruch der Shoa. Deutschland ist sich seiner immerwährenden Verantwortung für diese Schrecken bewusst. (…)

    Wir erinnern heute, um zu versöhnen. Wir ziehen die Lehren für unsere und zukünftige Generationen. (…)„

  • Rede bei der Eröffnung der Ausstellung “Kunst aus dem Holocaust – 100 Werke aus der Gedenkstätte Yad Vashem„  (2016)

    “(…) Die millionenfachen Geschichten unfassbaren Leids bleiben fest im nationalen Gedächtnis Deutschlands haften – ich betone: in unserem nationalen Gedächtnis. (…)„

  • Pressekonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki (16. Februar 2018)

    “(…) Das ist unsere Verantwortung, und wir nehmen sie selbstverständlich wahr, ganz besonders natürlich auch vor dem Hintergrund unserer jeweiligen Geschichte. Insofern denke ich, dass der deutsche Staat hierbei seiner Verantwortung gerecht wird.(…)„

  • Video-Podcast der Bundeskanzlerin #03/2018 (10. Februar 2018)

    “(…) Ohne mich jetzt in die Gesetzgebung in Polen direkt einzumischen, möchte ich nur folgendes, hier als deutsche Bundeskanzlerin, ganz klar sagen: Wir sind verantwortlich als Deutsche für die Dinge, die während des Holocaust, der Shoah, im Nationalsozialismus passiert sind. Es sind Konzentrationslager gewesen, die Deutschland zu verantworten hat und diese Verantwortung dauert nach. Und dieser Verantwortung wird jede Bundesregierung gerecht werden. (…)„

  • Rede am 6. Dezember 2019 in Auschwitz zum zehnjährigen Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau:

    “(…) Ich empfinde tiefe Scham angesichts der barbarischen Verbrechen, die hier von Deutschen verübt wurden ‑ Verbrechen, die die Grenzen alles Fassbaren überschreiten. Vor Entsetzen über das, was Frauen, Männern und Kindern an diesem Ort angetan wurde, muss man eigentlich verstummen. (…)

    Auschwitz war ein deutsches, von Deutschen betriebenes Vernichtungslager. Es ist mir wichtig, diese Tatsache zu betonen. Es ist wichtig, die Täter deutlich zu benennen. Das sind wir Deutschen den Opfern schuldig und uns selbst. An die Verbrechen zu erinnern, die Täter zu nennen und den Opfern ein würdiges Gedenken zu bewahren ‑ das ist eine Verantwortung, die nicht endet. Sie ist nicht verhandelbar; und sie gehört untrennbar zu unserem Land. Uns dieser Verantwortung bewusst zu sein, ist fester Teil unserer nationalen Identität, unseres Selbstverständnisses als aufgeklärte und freiheitliche Gesellschaft, als Demokratie und Rechtsstaat. (…)

    Doch nichts kann die Menschen, die hier ermordet wurden, zurückbringen. Nichts kann diese präzedenzlosen Verbrechen ungeschehen machen. Diese Verbrechen sind und bleiben Teil der deutschen Geschichte. Diese Geschichte muss erzählt werden, immer und immer wieder, damit wir aufmerksam bleiben, damit sich solche Verbrechen auch nicht in Ansätzen wiederholen können, damit wir gegen Rassismus und Antisemitismus in all ihren widerwärtigen Erscheinungen entschlossen vorgehen. (…)„

Sigmar Gabriel

  • Zum polnischen Gesetz über das Institut des Nationalen Gedenkens zur Verfolgung von Verbrechen gegen das Polnische Volk (03.02.):

“Die umfassende Aufarbeitung der eigenen Geschichte und der eigenen Verantwortung ist uns Deutschen eine immerwährende moralische Verpflichtung angesichts der von Deutschen und Deutschland begangenen Verbrechen auch in Polen.

Es gibt nicht den geringsten Zweifel daran, wer für die Vernichtungslager verantwortlich ist, sie betrieben und dort Millionen europäischer Juden ermordet hat: nämlich Deutsche. Von unserem Land wurde dieser organisierte Massenmord begangen und von niemand anderem. Einzelne Kollaborateure ändern daran nichts. Das Bewusstsein dieser historischen Schuld ist Teil der heutigen deutschen Identität in unserem demokratischen Staat und der zentrale Konsens aller demokratischen Kräfte in unserem Land.

Deshalb wird Deutschland auch im eigenen Interesse die Erinnerung an diese Grausamkeiten an jüngere Generationen weitergeben und keinerlei Relativierung zulassen. (…)  Dazu gehört, dass Menschen, die das unerträgliche Leid der Shoa erfahren mussten, über dieses Leid uneingeschränkt sprechen können. (…)„

Frank-Walter Steinmeier

  • Rede am 23. Januar 2020 in Jerusalem während des World Holocaust Forum in der Gedenkstätte Yad Vashem:

    “(…) Deutsche haben sie verschleppt. Deutsche haben ihnen Nummern auf die
    Unterarme tätowiert. Deutsche haben versucht, diese Menschen zu
    entmenschlichen, zu Nummern zu machen, im Vernichtungslager jede
    Erinnerung an sie auszulöschen. Es ist ihnen nicht gelungen. (…)
    Und auch das muss ich hier und heute aussprechen: Die Täter waren Menschen.
    Sie waren Deutsche. Die Mörder, die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer:
    Sie waren Deutsche.
    Der industrielle Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden, das größte
    Verbrechen der Menschheitsgeschichte – es wurde von meinen Landsleuten begangen.
    Der grausame Krieg, der weit mehr als 50 Millionen Menschenleben kosten
    sollte, er ging von meinem Lande aus.
    75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz stehe ich als deutscher Präsident vor
    Ihnen allen, beladen mit großer historischer Schuld. (…)
    Und es bleibt die eine Antwort: Nie wieder! Niemals wieder!
    Deshalb darf es keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben.
    Diese Verantwortung ist der Bundesrepublik Deutschland vom ersten Tage eingeschrieben.
    Aber sie prüft uns – hier und heute! Dieses Deutschland wird sich selbst nur dann gerecht, wenn es seiner historischen Verantwortung gerecht wird. (…)„

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