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Verdienstkreuzverleihung an Herrn Kazimierz Kardinal Nycz

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Kazimierz Kardinal Nycz, Erzbischof von Warschau

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Kazimierz Kardinal Nycz, Erzbischof von Warschau, © Ambasada Niemiec

29.05.2018 - Artikel

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Kazimierz Kardinal Nycz, Erzbischof von Warschau

Laudatio von Botschafter Nikel zur Verdienstkreuzverleihung
-Es gilt das gesprochene Wort-

Eminenz, sehr geehrter Herr Kardinal

Sehr geehrte Gäste,

ich freue mich, Sie alle und ganz besonders Sie, sehr geehrter Herr Kardinal Nycz, in meiner Residenz willkommen zu heißen. Wir kommen heute hier zusammen, um die langjährigen Verdienste eines großen Freundes Deutschlands und eines Vorreiters für die deutsch-polnische Aussöhnung zu würdigen.

Sehr geehrter Herr Kardinal,

Ihre akademische Karriere ist höchst eindrucksvoll. Sie beendeten ihr Studium der Theologie an der Päpstlichen Theologischen Fakultät in Krakau 1976 mit der Arbeit „Die Umsetzung der katechetischen Erneuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Erzdiözese Krakau“. 1981 erwarben Sie Ihren Doktortitel an der Katholischen Universität Lublin. Papst Johannes Paul II. ernannte Sie am 14. Mai 1988 zum Titularbischof von Villa Regis und zum Weihbischof in Krakau, wo Sie bereits über 16 Jahre lang wirkten. Noch im selben Jahr empfingen Sie die Bischofsweihe. Seit 2007 sind Sie Erzbischof und Metropolit von Warschau. Am 20. November 2010 nahm Sie Papst Benedikt XVI. zudem in das Kardinalskollegium auf. Ihre Amtsausführung steht im Zeichen der besonderen Wertschätzung und des Vertrauens des Papstes Johannes Pauls II. Ihnen gegenüber.

Ihr segensreiches Wirken fußt auf dem Gebot der christlichen Nächstenliebe und der Bedeutung der Vergebung für das Verhältnis von Menschen und Staaten. Damit stehen Sie fest in der Tradition des berühmten Briefs des polnischen Bischofs von 1965, der am Anfang der Versöhnung zwischen Deutschen und Polen stand. Dieses immer noch unvollendete Aussöhungswerk begreifen Sie als dauernden Ansporn Ihrer Tätigkeit.

Als Mitglied der Kontaktgruppe der Deutschen und Polnischen Bischofskonferenzen tauschen Sie sich regelmäßig über die Entwicklungen der jeweiligen Ortskirchen und über politische und gesellschaftliche Themen aus. Damit setzen Sie ein bedeutsames Zeichen im Sinne der Aussöhnungs- und Friedensbemühungen zwischen unseren Völkern.

Sie wissen um die tragische Geschichte und die andauernde deutsche Verantwortung für die Verbrechen am polnischen Volk verübt, in deutschem Namen und von deutscher Hand. In Ihrem Abschlusswort im Gottesdienst am 30. August 2009 in der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale am 70. Jahrestag des Beginns des zweiten Weltkriegs kommen Sie vor diesem Hintergrund zu dem Schluss: „Dass wir als Nachbarn in der Familie der europäischen Länder immer neu nach Wegen der Versöhnung, auf Freundschaft und Geschwisterlichkeit hin, suchen!“ In demselben Kontext sind auch Ihre deutlichen Worte zur Initiative „Glaubenszeugnisse unserer Zeit – Südpolen Pilgerreise in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz“ zu verstehen. Sie sagten damals: „Ich bin überzeugt, dass das Programm „Glaubenszeugnisse unserer Zeit“ hilft, Stereotypen zu überwinden, mit denen die gegenseitige Sicht von Deutschen und Polen immer noch belastet ist.“

Am 20. Jahrestag der berühmten Versöhnungsmesse in Kreisau vom 12. November 1989 hielten Sie gemeinsam mit dem ehemaligen Erzbischof von Oppeln, Alfons Nossol, und dem ehemaligen Rektor der Kardinal-Stefan-Wyszynski Universität Warschau, Prof. Helmut Juros, einen Dankgottesdienst in der St. Albert Chmielowski Künstler-Kirche in Warschau.

Wenn es die Situation erfordert melden Sie sich gemeinsam mit anderen zu vielseitigen Gegenwartsfragen zu Wort. In diesem Kontext ist Ihre Erklärung vom 8. September 2017 zu sehen, in der Sie auf die Gefahren hinweisen, die sich aus einer Betrachtung der deutsch-polnischen Aussöhnung in politisch-konjunktureller Perspektive ergeben können.

Ihren deutschen Amtsbrüdern sind sie auch persönlich eng verbunden. So hielten Sie im Zusammenhang mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Kardinal-Stefan-Wyszynski-Universität an den ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, die Heilige Messe.

Mit dem derzeitigen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx sind Sie besonders freundschaftlich verbunden. Gemeinsam gedachten Sie am 1. September 2014 des Ausbruchs des zweiten Weltkriegs. Immer wieder kommen Sie zusammen und reflektieren gemeinsam über die Vergangenheit und die Zukunft Europas sowie über Möglichkeiten, die deutsch-polnischen Beziehungen weiter zu entwickeln.

Eminenz, sehr geehrter Herr Kardinal, immer wieder können auch deutsche Politiker und deutsche Institutionen auf Ihren geschätzten Rat und Beitrag zählen. So trafen Sie zum Beispiel den früheren Bundesaußenminister und jetzigen Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier während dessen Besuch am 21. Januar 2016 in Warschau. Die Konrad Adenauer Stiftung konnte aus Anlass Ihres 20-jährigen Jubiläums auf Ihre Teilnahme an der Konferenz „Umbruch und Aufbruch 1989 – 2009. Christdemokratische Antworten auf die Herausforderungen der Zeit.“ zählen.

Auch kulturell liegen Ihnen die deutsch-polnischen Beziehungen am Herzen. Im September 2013 empfingen Sie die Augsburger Domsingknaben im Warschauer Dom. Das Konzert, an dem auch der polnische Komponist Krzysztof Penderecki teilnahm, unterstreicht die Bedeutung, die Sie der jungen Generation beimessen. Seit 2014 sind Sie Mitglied des päpstlichen Rates für die Kultur und machen es sich zur Aufgabe, den Dialog zwischen Kirche, Kultur und Wissenschaft zu erleichtern und Begegnungen mit der kulturellen Welt zu fördern.

Eminenz, sehr geehrter Herr Kardinal,

Ihr bischöflicher Wahlspruch lautet „Ex hominibus, pro hominibus“ - Von den Menschen, für die Menschen. Dieser Begriff macht deutlich, worum es im Miteinander unserer Gesellschaften über Grenzen hinweg letztlich geht: Um den Menschen in seinen Höhen und Tiefen, der der Erlösung durch unseren Herrn und Heiland Jesus Christus bedarf.

Angesichts Ihrer vielfältigen herausragenden Verdienste um die Beziehungen zu Deutschland hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier entschieden, Ihnen das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. Ich gratuliere Ihnen zu dieser hohen Auszeichnung. Es ist mir eine große Freude, Ihnen den Orden jetzt zu überreichen. Zunächst verlese ich jedoch den Text der Verleihungsurkunde.

Warschau, den 29. Mai 2018

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