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Bischof Samiec mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Bischof Samiec

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Bischof Samiec, © Ambasada Niemiec / Deutsche Botschaft Warschau

24.05.2018 - Artikel

Botschafter Nikel verlieh Herrn Bischof Samiec das Verdienstkreuz für seine Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung und seinen Einsatz für die länderübergreifende kirchliche Zusammenarbeit.

Laudatio von Botschafter Nikel zur Verdienstkreuzverleihung
-Es gilt das gesprochene Wort-

Sehr geehrte Damen und Herren,

Exzellenz, sehr geehrter Herr Bischof Samiec,

ich freue mich sehr, Sie und Ihre Gattin, sehr geehrter Herr Bischof, hier willkommen zu heißen. Wir haben uns heute zusammengefunden, um Sie zu ehren und Ihr Werk für die deutsch-polnische Verständigung zu würdigen. Wir begehen diesen Tag mit großer Freude und Dankbarkeit gegenüber einer Persönlichkeit, die zusammen mit Ihren Mitarbeitern sehr viel für die Aussöhnung zwischen den Völkern getan hat.

Bischof Samiec mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
Botschafter Nikel verließt die Verleihungsukrunde© Ambasada Niemiec / Deutsche Botschaft Warschau

Sie studierten von 1983 bis 1988 an der Christlich-Theologischen Akademie in Warschau Theologie und wurden 1989 zum Pfarrer ordiniert. Von 1994 bis 2000 übernahmen Sie außerdem die Aufgaben des Jugendpfarrers der Diözese Kattowitz.

Daraufhin wurden Sie Pfarrer für Evangelisation und Mission. Zwischen 2003 und 2009 nahmen Sie auch das Amt des Präses des Pfarrer- und Katecheten-Vereins wahr. 2007 wählte die Synode der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens Sie zu ihrem Präses.

Seit 2010 sind Sie Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens und seit 2016 Vorsitzender des polnischen ökumenischen Rates. Beide Funktionen nutzen Sie aktiv, um die Beziehungen im sozialen und karitativen Bereich zwischen den Gläubigen in Deutschland und Polen zu vertiefen. Gerade die Begegnung der Gläubigen untereinander ist Ihnen ein persönliches Anliegen. Hierfür setzen Sie sich mit allen Kräften und mit Erfolg ein.

In Ihrer Rolle als Bischof der Evangelischen-Augsburgischen Kirche in Polen wirken Sie mit ganzer Kraft für die Aussöhnung zwischen den Völkern auf christlicher Grundlage. Stets stehen Sie allen Gläubigen mit Rat und Tat zur Seite.

Die Gründung der deutschsprachigen evangelischen Seelsorge in Warschau 2011 haben Sie maßgeblich gefördert. So haben Sie wesentlich dazu beigetragen, dass sich die deutsche evangelische Gemeinde zu einem wichtigen Treffpunkt für viele Protestanten in Warschau entwickelt hat.

Sie unterstützen die umfängliche karitative Gemeindearbeit. Sie stellten zu Beginn der Gottesdienste unbürokratisch Räumlichkeiten zur Verfügung und motivierten Ihren Assistenten Wojciech Pracki, die Rolle des Gemeindepfarrers zu übernehmen.

So konnte an Ostern 2011 der erste evangelische Gottesdienst in der Trinitatis-Kirche in deutscher Sprache stattfinden. Die deutschsprachige Gemeinde in Warschau bietet den gläubigen Deutschen eine geistliche Heimat und soziale Nähe.

Das Angebot der Gemeinde richtet sich an die ganze Familie. Darüber hinaus ist die Gemeinde Anlaufstelle für viele Polen, die sich mit Deutschland verbunden fühlen.

Ein ganz besonderes Zeichen setzten Sie im Rahmen des 500. Reformationsjubiläums. Es war für meine Mitarbeiter und für mich eine große Freude, die Warschauer Feierlichkeiten zu unterstützen. Gern erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an den großen Empfang, genau an diesem Ort, wo ich Ihnen heute das Bundesverdienstkreuz überreichen darf.

Das Jubiläum bot eine gute Gelegenheit, die Zusammenarbeit der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) weiter zu vertiefen. Vom 27. bis 29. Oktober 2017 konnten in diesem Zuge eine Reihe feierlicher Konzerte und diverse Ausstellungen stattfinden.

Ich möchte in diesem Zusammenhang vor allem auch die permanente Installation des stilisierten Tors der Wittenberger Schlosskirche hervorheben.

Dieses an der Einfahrt der Warschauer Himmelfahrtsgemeinde installierte Tor erinnert nun als dauerhaftes Symbol an den Thesenanschlag und den Beginn der Reformation.

Mit Ihrem vielfältigen Engagement ermöglichten Sie es den Gläubigen Warschaus, diese bedeutsamen Feierlichkeiten des 500. Reformationsjubiläums gemeinsam zu begehen.

 

Bischof Samiec nach der Verleihung des Verdienstkreuzes
Bischof Samiec nach Verleihung des Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland© Ambasada Niemiec / Deutsche Botschaft Warschau

Sehr geehrter Herr Bischof, Sie messen überkirchlichen Initiativen und Kooperationen eine hohe Bedeutung bei.

Davon zeugen zum Beispiel die 9. Christlichen Begegnungstage der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen im Juli 2014 in Breslau.

An der dreitägigen Veranstaltung mit vielen interessanten Diskussionen nahmen Kirchen aus Österreich, der Slowakei, Ungarn, Tschechien sowie von deutscher Seite die sächsische Landeskirche, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, sowie die bayerische Landeskirche und die Nordkirche teil.

Ihr geistlicher Standpunkt ist von der lutherischen Trias geprägt: sola gratia, sola biblia, sola fide. Sie werben für eine offene und barmherzige Haltung der Gesellschaft auf der Grundlage christlicher Nächstenliebe. Gerade das Schicksal der Flüchtlinge und Migranten liegt Ihnen am Herzen. So tragen Sie zu einem sachlichen Dialog zu einem kontroversen Thema bei.

Das Verhältnis zu Ihren deutschen Amtsbrüdern liegt Ihnen sehr am Herzen.

So fanden zwischen Ihnen und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau 2014 und 2015 gegenseitige Besuche statt. In offenen und vertrauensvollen Gesprächen vereinbarten Sie unter anderem eine intensive Zusammenarbeit in den Bereichen Mediation-Konfliktlösung, Öffentlichkeitsarbeit, Freiwilligenaustausch und 500 Jahre Reformationsjubiläum.

Auch der Kontakt zu meinen Mitarbeitern und mir ist in allen diesen Fragen eng, freundlich und sehr vertrauensvoll.

Ganz besonders dankbar sind wir Ihnen für Ihre aktive Rolle bei der Konferenz „Unterwegs zur Versöhnung. Erinnerung an die Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland 1965“.

Diese vielbeachtete Veranstaltung hat es sehr erfolgreich vermocht, dieses epochale Dokument für die Aussöhnung unserer beiden Staaten ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit zu heben.

Schließlich möchte ich Ihnen auch noch für Ihre Spende in den Deutsch-Polnischen Gärten danken, welche als Zeichen der deutsch-polnischen Freundschaft im Warschauer Stadtteil Praga-Süd entstehen.

Ebenso danke ich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Evangelischen Kirche von Westfalen, die sich durch Ihre Initiative ebenfalls zu einer Spende entschieden haben.

Sehr geehrter Herr Bischof Samiec,

Sie haben sich in Ihrem Amt als leitender Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polen, und darüber hinaus seit Jahren auf vorbildliche Weise und mit großem persönlichem Engagement um die deutsch-polnische Aussöhnung verdient gemacht. Daher hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier Ihnen für Ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung und Ihren Einsatz für die länderübergreifende kirchliche Zusammenarbeit das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Es ist mir eine große Ehre und Freude für mich, Ihnen jetzt die hohe Auszeichnung auszuhändigen.

Ich darf Ihnen den Text der Verleihungsurkunde verlesen.


Warschau, den 24 Mai 2018

 


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