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Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland für Prof. Joanna Jabłkowska und Prof. Dr. Andrzej Kidyba

Verleihung des Verdienstkreuzes an Frau Prof. Jabłkowska und an Prof. Dr. Andrzej Kidyba in der Residenz der Deutschen Botschaft Warschau.

Verleihung des Verdienstkreuzes an Frau Prof. Jabłkowska und an Prof. Dr. Andrzej Kidyba in der Residenz der Deutschen Botschaft Warschau., © Ambasada Niemiec / Deutsche Botschaft Warschau

11.05.2018 - Artikel

Germanistikprofessorin Joanna Jabłkowska und Honorarkonsul Prof. Dr. Andrzej Kidyba wurden mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland für ihre Verdienste für die deutsch-polnischen Beziehungen ausgezeichnet.

Laudatio von Botschafter Nikel zur Verdienstkreuzverleihung
-Es gilt das gesprochene Wort-


Sehr geehrte Frau Prof. Jabłkowska,

Sie haben sich als Hochschullehrerin für deutsche Literatur und Kultur an der Universität Lódź langjährig und in besonderem Maße um die Verständigung zwischen Deutschland und Polen verdient gemacht.

Schon früh beschäftigten Sie sich in ihrer akademischen Laufbahn mit der deutschen Literatur. In Lódź habilitierten sie sich 1993 mit der Studie „Literatur ohne Hoffnung. Die Krise der Utopie in der deutschen Gegenwartsliteratur“. Dort waren Sie seit 1997 als Professorin und bis 2016 als Inhaberin des Lehrstuhls für deutschsprachige Literatur und Kultur tätig. Zuvor hielten Sie sich unter anderem als Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für mehrere Semester an den Universitäten in Gießen, Passau und an der TU Berlin auf.

Sie beschränken sich in Ihrer Forschung nicht nur auf die deutsche Gegenwartsliteratur, sondern leisten auch wichtige Beiträge zum Zusammenspiel zwischen Literatur und Politik sowie zur Holocaustliteratur und literarischen Endzeitversionen. Sie schaffen es, die Germanistik mit anderen Bereichen zu verbinden – etwa mit weiteren Philologien oder dem Journalismus.

Verleihung des Verdienstkreuzes an Frau Prof. Jablkowska
Botschafter Nikel verleiht Frau Prof. Jabłkowska das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland© Ambasada Niemiec / Deutsche Botschaft Warschau

Sie, Frau Jabłkowska, sind an zahlreichen deutschen Universitäten sehr bekannt. Neben den Kontakten, die durch ihre Studienaufhalte in Deutschland entstanden sind – etwa an der Universität Greifswald – haben Sie akademische Partnerschaften mit anderen deutschen Universitäten aufgebaut. An dieser Stelle ist zunächst die Kooperation der Universität Łódź mit der Universität Regensburg zu nennen. An dieser Universität wird seit dem Wintersemester 2012/2013 ein deutsch-polnischer Bachelorstudiengang angeboten. Die Studierenden verbringen jeweils ein Jahr in Polen und Deutschland. Sie, Frau Jabłkowska leisteten nicht nur einen wesentlichen Beitrag bei der Initiierung dieses Angebots, sondern betreuen dieses auch bis heute von polnischer Seite. Durch das gemeinsame Studium lernen junge Menschen das Besondere einer nachbarschaftlichen Kooperation kennen und schätzen. Darüber hinaus wirken die Studierenden später als Multiplikatoren und Kulturvermittler und leisten somit einen vielseitigen Beitrag für die deutsch-polnische Verständigung. Sie haben erkannt, welch große Bedeutung ein friedvolles Miteinander zwischen Deutschen und Polen für die Zusammenarbeit in Europa hat.

Viele weitere Universitätskooperationen zwischen Deutschland und Polen wie mit den Universitäten Bielefeld, Potsdam, Chemnitz und Bamberg verdanken wir Ihnen. Sie sorgen durch eigene Gastauftritte und Vorlesungen für ein positives Verständnis der Germanistik in Polen. Dadurch wurde nicht nur die akademische Verständigung vertieft, sondern auch Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut.

Auch der DAAD in Polen weiß Ihre Expertise zu schätzen. So waren Sie mehrere Jahre Mitglied der DAAD-Auswahlkommissionen. Sie unterstützen die Außenstelle, wenn Expertenrat nötig ist. Der DAAD fördert seit über 30 Jahren eine Kooperation der Universität Łódź mit der Universität Gießen, die auf persönliches Engagement zurückgeht. Entsprungen sind hieraus Projekte, wie die überaus bedeutsame „Chronik des Gettos Litzmannstadt“ in fünf Bänden.

Sehr geehrte Frau Jabłkowska, Sie sind seit vielen Jahren Mitglied des Beirats der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung. Darüber hinaus sitzen Sie im wissenschaftlichen Beirat und fungieren als Mitherausgeberin des germanistischen Jahrbuchs Convivium. Dieses vom DAAD und dem Auswärtigen Amt finanziell geförderte Jahrbuch bietet vielen polnischen Germanisten und deutschen Nachwuchsakademikern eine germanistische Veröffentlichungsplattform.

Nicht zuletzt fördern Sie den Übersetzernachwuchs. So waren Sie als Inhaberin des Lehrstuhls für deutschsprachige Literatur und Kultur an der Universität Łódź Teil des Projekts TransStar Europa. Dieses Projekt konzentrierte sich auf das literarische Übersetzen im europäischen Kontext. Dabei wurden 2013 bis 2016 angehende Übersetzerinnen und Übersetzer aus sechs europäischen Staaten vernetzt und in ihrer Ausbildung zum Kulturvermittler besonders gefördert. Damit leisteten Sie einen aktiven Beitrag zur europäischen Integration.

Sehr geehrte Frau Jabłkowska

Ihr berufliches und ehrenamtliches Engagement ist höchst bemerkenswert und Sie haben viele verantwortungsvolle Aufgaben übernommen. Dies zeigt sich beispielsweise eindrücklich in Ihrer Position als Dekanin der philologischen Fakultät in Łódź. Durch Ihr Wirken entstehen derzeit zahlreiche neue Studienprogramme und diverse Kombinationsstudiengänge, die die Germanistik für junge Menschen wieder attraktiver machen.

Sie genießen sowohl auf polnischer als auch auf deutscher Seite großes Vertrauen. Ihr beständiger Enthusiasmus, mit dem Sie sich als Forscherin und Lehrende seit Jahrzenten für den deutsch-polnischen Austausch einsetzten, Hat Ihnen einen hervorragenden Ruf weit über die Germanistik hinaus verschafft. Davon profitierten und profitieren die Germanistik als Wissenschaft und Generationen junger Germanisten in beiden Ländern nachhaltig.

Sehr geehrte Frau Jabłkowska für Ihren Einsatz danke ich Ihnen aufrichtig. Ich freue mich, Ihnen jetzt das Ihnen von Bundespräsident Steinmeier in Würdigung Ihrer Verdienste verliehene Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu überreichen. Ich verlese jetzt den Text der Verleihungsurkunde.

Verlesung des Urkundentextes


Sehr geehrter Herr Honorarkonsul, lieber Herr Prof. Dr. Kidyba,

Sie können schon heute auf eine lange sehr erfolgreiche universitäre Karriere zurückblicken: Nach Abschluss des Studiums des Rechts und der Verwaltung an der Maria Curie-Sklodowska Universität in Lublin, erwarben Sie 1989 den Doktortitel. Seit 2000 sind Sie Professor an der Maria Curie-Sklodowska Universität, Fakultät für Recht und Verwaltung. Im Jahre 2005 übernahmen Sie zusätzlich zur ordentlichen Professur die Funktion des Abteilungsleiters am Institut für Wirtschaft und Handel. Daneben wirken Sie als Schiedsrichter an diversen europäischen Schiedsgerichten.

2007 wurden Sie zum Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland ernannt. Dies war eine gute Entscheidung. Stets haben Sie ein offenes Ohr für Anliegen jeglicher Art. Sie unterstützten viele Hilfesuchende mit großer Hingabe und großem zeitlichen Aufwand mit Rat und Tat. Angesichts Ihres anspruchsvollen beruflichen Alltags ist dies eine große Herausforderung, die Sie vorbildlich meistern. Ihr Engagement für die Bundesrepublik Deutschland ist von großer Kontinuität und Dynamik geprägt. Auch gerade deswegen genießen Sie in der Umgebung Lublins in jedem Alterssegment und jeder gesellschaftlichen Schicht ein sehr hohes Ansehen. Sie haben sich dieses Ansehen durch Ihre verbindliche Art und ihr Organisationstalent reiflich verdient. Ich selbst habe davon bei meinen Reisen in Ihren Amtsbezirk kräftig profitiert. Die Projekte, die Sie anstoßen, setzen Sie mit Leidenschaft und voller Motivation um. Ihr Gesicht in der Woiwodschaft Lublin ist das Gesicht der Bundesrepublik Deutschland, des freiheitlichsten Staates, der je auf deutschem Boden existiert hat.

Ihre Arbeit steht für den konsequenten Ausbau der deutsch-polnischen Freundschaft in einer Region in der mit dem KZ Majdanek das erste Konzentrationslager im besetzten Polen stand. Hier fanden tausende unschuldige Menschen den Tod. Das heutige demokratische Deutschland steht zu seiner Verantwortung aus dieser Zeit bei zahlreichen Gedenkveranstaltungen zu diesem schrecklichen Kapitel der deutschen Geschichte. Diese Position glaubwürdig vor Ort zu vertreten, ist eine große Herausforderung, die Sie mit großem Einfühlvermögen erledigen.

Sehr geehrter Herr Prof. Kidyba,

Sie unterhalten hervorragende politische und gesellschaftliche Kontakte in der gesamten Woiwodschaft Lublin, auf die Sie im Rahmen Ihrer konsularischen Tätigkeit immer wieder erfolgreich zurückgreifen können. Eines Ihrer Hauptanliegen ist es, die strukturell und wirtschaftlich schwache Region – sie gehört zu den ärmsten Regionen in der Europäischen Union – nach vorne zu bringen. Zu diesem Zwecke bemühen Sie sich seit Jahren auch deutsche Unternehmen zu einer Ansiedlung in der Region zu motivieren. In vielen Fällen konnten Sie Ihr gutes Netzwerk geschickt nutzen, um die gemeinsamen Interessen zu verwirklichen.

Bereits vor Ihrer Ernennung zum Honorarkonsul haben Sie die deutsch-polnische Verständigung praktisch gelebt und so die zwischen-gesellschaftlichen Beziehungen in vorbildlicher Weise gefördert.

Das gilt ganz besonders für die Gründung der „Schule des deutschen Rechts“ an der Maria Curie-Sklodowska Universität in Lublin im Jahre 2003. Es ist Ihr Verdienst, dass in Lublin noch immer junge polnische Nachwuchsjuristen das deutsche Rechtssystem kennenlernen können.

Sie legen viel Wert auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen durch Fremdsprachen- und Gesangswettbewerbe, um den Kindern schon im jungen Alter spielerisch ein Gefühl für Deutschland zu vermitteln. Dabei kommt der formelle Rahmen, den Sie als Honorarkonsul deutsch-polnischen Veranstaltungen verleihen können, bei Kindern und Jugendlichen offenbar gut an.

Verleihung des Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland an Herrn Prof. Dr. Andrzej Kidyba
Botschafter Nikel verließt den Urkundentext von Herrn Prof. Dr. Andrzej Kidyba© Ambasada Niemiec / Deutsche Botschaft Warschau

Insbesondere setzen Sie sich auch für das Lubliner Kulturzentrum ein. Eine der vielbeachteten Veranstaltungen dieser Kooperation ist etwa das internationale Festival „Dichterzeit“.

Auch die Städtepartnerschaft zwischen Lublin und Münster profitiert in sehr von Ihrem persönlichen Einsatz. Besonders umfangreich und erfolgreich war Ihr diesbezügliches Engagement anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages 2016.

 

Sehr geehrter Herr Honorarkonsul, lieber Herr Prof. Kidyba,

ich danke Ihnen von Herzen für Ihren unermüdlichen Einsatz für Deutschland und die deutsch-polnischen Beziehungen. Ich gratuliere Ihnen, dass der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ihnen in Würdigung Ihrer Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen hat. Ich freue mich, Ihnen diese hohe Auszeichnung heute im Rahmen dieser Feierstunde überreichen zu können. Gestatten Sie mir, offiziell den Text der Verleihungsurkunde zu verlesen.

Verlesung des Urkundentextes

Warschau, den 11. Mai 2018