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Landwirtschaft in Polen

Landwirtschaft

Getreide Feld mit Gersten Ähre im Sommer. Landschaft und Landwirtschaft., © Erwin Wodicka

Artikel
„Wenn ich vom Respekt für die Erde spreche, denke ich auch an jene, die ihr am stärksten verbunden sind, die ihren Wert und ihre Würde kennen. Ich denke an die Landwirte, die unmittelbar mit der Erde ringen, aus ihr die Früchte hervorbringen, derer die Bewohner von Stadt und Land bedürfen.“

 Johannes Paul II.

Betriebe und Nutzflächen

Die polnische Landwirtschaft bewirtschaftet insgesamt 14,5 Mio. Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Es gibt 1,41 Mio. landwirtschaftliche Betriebe, die beinahe ausschließlich (99,7%) von Einzellandwirten geführt werden. Sie beschäftigen 2,3 Mio. Personen bzw. 16,3% der erwerbstätigen Bevölkerung. Der Beruf des Landwirts gilt als attraktiv und genießt hohes Ansehen. 20% der Landwirte sind jünger als 40 Jahre, ein Drittel aller Betriebe werden von Frauen geführt. 38% der polnischen Bevölkerung lebt im ländlichen Raum. Die Zuwanderung dorthin übersteigt die Abwanderung in die Städte.

Anders als in den meisten osteuropäischen Nachbarstaaten gab es in Polen keine Kollektivierung der Landwirtschaft. Daher ist die Flächenstruktur ausgesprochen kleinteilig. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei nur 10,9 Hektar (Deutschland: 61 Hektar). Die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaftet weniger als fünf Hektar und nur 1,6 % verfügen über mehr als 50 Hektar. Die durchschnittliche Flächenausstattung der Betriebe ist im Nordwesten (ca. 30 ha) am größten, im Südosten (ca. 4 ha) am geringsten.

Saure, sandige und nährstoffarme Böden machen zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzflächen Polens aus. In den Sommermonaten kommt es häufig zu Wasserdefiziten. In der Europäischen Union haben nur Tschechien, Zypern und Malta geringere natürliche Wasserressourcen als Polen.

Erzeugung und Außenhandel

Polen ist Nettoexporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse und innerhalb der Europäischen Union der größte Erzeuger von Äpfeln, Geflügelfleisch, Kartoffeln, Pilzen, Himbeeren, Johannesbeeren, Weißkohl und Karotten. Die landwirtschaftliche Produktion hat einen Wert von ca. 24 Mrd. EUR (Tierproduktion: ca. 11,5 Mrd. EUR, Pflanzenproduktion: ca. 12,2 Mrd. EUR).

Während der Schweinefleischsektor mit ca. 11,5 Mio. Tieren seit Jahren in einer latenten Dauerkrise steckt und durch die im Osten des Landes auftretende Afrikanische Schweinepest zusätzlich hart getroffen wird, ist die Geflügelfleischerzeugung (ca. 500 000 Betriebe) der dynamischste Sektor der polnischen Landwirtschaft. Jährlich werden über zwei Millionen Tonnen produziert, damit hält Polen vor Frankreich und Deutschland den EU-Rekord.

Die Königsdisziplin der polnischen Landwirtschaft ist der Gartenbau, insbesondere die Apfelerzeugung (ca. 2 Mio. t jährlich). Kleinbetriebe dominieren diesen Sektor, den der Verlust von Absatzmärkten infolge des russischen Embargos gegen Lebensmittel aus der EU besonders hart getroffen hat.

Der ökologische Landbau und der Markt für ökologische Lebensmittel sind noch wenig entwickelt. 580 700 Hektar bzw. 4% der Gesamtanbaufläche werden auf diese Art bewirtschaftet. Die die Erzeugung geht überwiegend in den Export. Es gibt nur rund 700 ökologische Lebensmittelverarbeitungsbetriebe.

Der polnische Agraraußenhandel ist robust und wachstumsorientiert. Sein Anteil an allen polnischen Exporten liegt bei rund 13,5%. Der Wert land- und ernährungswirtschaftlicher Exporte belief sich 2017 auf 27,3 Mrd. EUR, der Außenhandelsüberschuss auf 8,4 Mrd. EUR. Mit über 81% ist die Europäische Union der mit Abstand wichtigste ausländische Absatzmarkt. Der wichtigste Partner des polnischen Agraraußenhandels ist Deutschland, mit dem rund 25% aller Im- und Exporte abgewickelt werden.

Behörden und  Institutionen

Die Landwirtschaftspolitik wird durch das Ministerium für Landwirtschaft und Entwicklung des ländlichen Raumes (Ministerstwo Rolnictwa i Rozwoju Wsi) gestaltet. Es wird seit 2018 von Minister Jan Krzysztof Ardanowski geleitet. Wichtige staatliche Βehörden sind darüber hinaus das Nationale Agrarförderzentrum (KOWR, Krajowy Ośrodek Wsparcia Rolnictwa) sowie die Agentur für den Strukturwandel und die Erneuerung der Landwirtschaft (ARiMR, Agencja Restrukturyzacji i Modernizacji Rolnictwa). Das vom Cheftierarzt (CVO) Polens  geleitete Hauptamt für Veterinärüberwachung (GIW, Głowny Inspektorat Weterynarii) wacht über die Tiergesundheit.

Die Landwirtschaftsminister Deutschlands und Polens, Julia Klöckner und Jan-Krzysztof Ardanowski. Berlin 2019.
Die Landwirtschaftsminister Deutschlands und Polens, Julia Klöckner und Jan-Krzysztof Ardanowski. Berlin 2019.© Botschaft Warschau


 
„Der Familienbetrieb bildet die Grundlage des landwirtschaftlichen Gefüges des Staates.“
 
Art. 23 der Verfassung der Republik Polen vom 2. April 1997

Die Organisation der Landwirte in Verbänden und Vereinigungen ist wenig ausgeprägt und fragmentiert, ein gemeinsamer Dachverband fehlt. Die bedeutsamsten Interessenvertretungen sind der Nationale Rat der Landwirtschaftskammern (KRIR, Krajowa Rada Izb Rolniczych), die Sparte der Einzellandwirte innerhalb der Gewerkschaft Solidarność und der Berufsverband der Landwirte und landwirtschaftlichen Organisationen (OPZZ Rolników i Organizacji rolniczych).

Forstwirtschaft und Jagd

Wälder bedecken ein Drittel der Landesfläche Polens, insgesamt 9,21 Mio. Hektar. Zwei Drittel der Bestände sind Nadelwald, ein Drittel Laubwald. Die häufigste Baumart ist die Kiefer (60,5% bzw. 5,36 Mio. ha), gefolgt von Eichen (7,7% bzw. 706 000 ha) und Birken (6,8% bzw. 670 000 ha). Der Staat mit seinen 7,4 Mio. Hektar Forstfläche verfügt über den mit Abstand größten Waldbesitz in Polen, den die staatseigenen Lasy Państwowe (Staatsforsten) bewirtschaften. Darüber hinaus befinden sich 1,7 Mio. Hektar in den Händen von ca. 800 000 privaten Waldbesitzern. Wildlebende Tiere sind Eigentum des Staates, der sein Recht zur Jagdausübung auf den Polnischen Jagdverband PZŁ übertragen hat. Es gibt ca. 118 000 aktive Jäger, die in ca. 2 500 Hegeringen zusammengeschlossen sind.

Fischerei

Der polnische Fischereisektor ist vergleichsweise klein. Die Fangflotte besteht aus 831 Fischereifahrzeugen, davon haben 80% weniger als 12 m Länge. Vier Hochseetrawler fischen im Nordatlantik und in afrikanischen Gewässern, im Übrigen ist die Flotte völlig auf die Ostseefischerei ausgerichtet. 138 000 t Seefisch wurden 2017 gefangen, 83% davon waren Heringe und Sprotten. Fische sind Eigentum des Staates, über das der Minister für Seewirtschaft und Binnenschifffahrt verfügt. Er vergibt die Quoten für fangbeschränkte Arten. Im Fischereisektor Polens spielt zudem die Aquakultur eine bedeutende Rolle, 38 000 t  Fisch wurden 2017 auf diese Weise erzeugt.

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