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Verleihung des Verdienstkreuzes an Herrn Helmut Paisdzior

11.03.2019 - Bildergalerie
Helmut Paisdzior
Helmut Paisdzior© Deutsches Generalkonsulat Breslau

In feierlicher Atmosphäre überreichte der deutsche Generalkonsul in Breslau, Hans Jörg Neumann, an Herrn Helmut Johann Paisdzior das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. An der Verleihung nahmen zahlreiche Ehrengäste teil, darunter der Marschall der Woiwodschaft Oppeln Andrzej Buła, der Vorsitzende des Oppelner Sejmiks Rafał Bartek, der Oppelner Bischof Andrzej Czaja, sowie zahlreiche Vertreter der deutschen Minderheit mit deren Vorsitzenden Bernard Gaida.

Generalkonsul Neumann betonte die besonderen Verdienste von Herrn Paisdzior um die deutsche Minderheit sowie die deutsch-polnische Verständigung.


Ansprache anlässlich der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

am 11.03.2019 im Generalkonsulat Breslau

an Herrn Helmut Johann Paisdzior

(geb. am 24. November 1940 in Leschnitz)

Sehr geehrter Herr Paisdzior,
sehr geehrte Gäste,
               es ist mir eine besondere Freude, Sie heute im Generalkonsulat Breslau begrüßen zu können. Wir ehren mit Ihnen, lieber Herr Paisdzior, ein herausragendes Mitglied der Deutschen Minderheit in Polen.Die beeindruckende Gästeliste zeigt, welche große Wertschätzung unser heutiger Ehrengast genießt. Die Spitzen der deutschen Minderheit, zahlreiche Vertreter von Gemeinden aus der Woiwodschaft Oppeln und der Bischof von Oppeln sind bei dieser wunderbaren Anerkennung Ihrer Leistungen durch die Bundesrepublik Deutschland anwesend.

Als deutsch-polnischer Doppelstaater verkörpern Sie in idealer Weise das Bild des Brückenbauers zwischen Polen und Deutschland.Neben Ihren zahlreichen Aktivitäten ragt besonders ihre 14jährige Tätigkeit von 1991-2005 als Abgeordneter der Deutschen Minderheit in der 1. bis 4. Legislaturperiode des polnischen Parlaments Sejm heraus.

Sehr geehrter Herr Paisdzior,

Sie haben sich durch Ihren unermüdlichen Einsatz für die Stärkung der Rechte der Deutschen Minderheit in Polen, um die Verständigung zwischen Deutschland und Polen in besonderer Weise verdient gemacht.

Sie waren in fünf Kommissionen des Sejms vertreten (Territorialselbstverwaltung, Zusammenarbeit mit dem Ausland, Wirtschaft, Sozialpolitik, öffentliche Finanzen) und haben sich in diesen Positionen nachhaltig für die Interessen der Deutschen Minderheit eingesetzt. Außerdem waren Sie auch in der Sonderkommission für das Wahlrecht vertreten, wo Sie eine Verordnung über die Ausnahme der nationalen Minderheiten von der Fünfprozenthürde erkämpften.

Schon zuvor waren Sie ein überaus aktives Mitglied der Deutschen Minderheit. Sie engagierten sich zunächst im Rahmen der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien, wo Sie anfangs als Vertreter der Gemeinde Leschnitz fungierten. Später wurden Sie zum Vorstandsvorsitzenden im Bezirk Groß-Strehlitz gewählt.

Als großem Fußballanhänger gefällt mir besonders, dass Sie sich im Jahr 2016 für die Gründung der deutschsprachigen Fußballschule „Miro Deutsche Fußballschule Leschnitz“ in der Gemeinde Leschnitz eingesetzt haben, die mittlerweile zahlreiche Filialen hat. Am diesjährigen Tag der offenen Tür des Generalkonsulats Breslau am 01. Juni 2019 wird die Fußballschule die Minderheit im Generalkonsulat repräsentieren.

Lieber Herr Paisdzior,

Sie sind auch einer der Gründerväter der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens, die am 2. Dezember 1991 von vier Organisationen der Deutschen Minderheit ins Leben gerufen wurde. Hauptaufgabe der Institution ist es, durch ihre Tätigkeit die Sozial-, Wirtschafts- und Kulturentwicklung Schlesiens positiv zu beeinflussen. In den ersten Jahren konzentrierte sich die Stiftung auf die Unterstützung von Unternehmen sowie von kommunalen und sozialen Einrichtungen. Ziel dieser Aktivitäten war die Verbesserung der sozialen Lebensbedingungen der Deutschen Minderheit. Ihr Tätigkeitsbereich erweiterte sich mit der Zeit auf die Bereiche der Schulberatung, der Bildung, des Sports und des Gesundheitswesens.

Ihre herausragende Bedeutung für die Gesellschaft bewies die Stiftung im Jahr 1997, als sie großzügige Unterstützung für Menschen und Institutionen bei dem Jahrhunderthochwasser der Oder leistete. Das außergewöhnlich weitreichende Tätigkeitsspektrum der Stiftung wäre nicht möglich ohne Ihren hervorragenden Einsatz. In den Jahren von 1992-2000 waren Sie stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung und in den Jahren 2003-2009 Vorsitzender des Stiftungsrates.Sie waren auch Initiator und Hauptbegründer der Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien, die am 6. Juni 1996 registriert wurde. Die Gesellschaft hat sich die Förderung der sozialen Gesundheit zum Ziel gesetzt. Sie hilft Personen und Familien, die in Armut leben und schwierige Lebenssituationen zu überwinden haben, bei der Inanspruchnahme von Ressourcen und Möglichkeiten, beispielsweise durch die Bereitstellung von medizinischen Geräten. Während der Flut im Jahr 1997 unterstützte die Gesellschaft die Flutopfer in besonderer Weise; der Wert der Hilfe betrug mehr als 20.000 Euro.

Meine Damen und Herren,

Sie wissen alle viel besser als ich, dass sich die sozialen Aktivitäten Helmut Paisdziors auf sehr viele weitere Bereiche erstreckten. Dazu zählt vor allem die Unterstützung der Sozialstationen der Caritas in Schlesien. Dank der Bemühungen von Herrn Paisdzior konnte die Organisation mit medizinischen Geräten und Autos im Gesamtwert von ca. 1 Million Euro ausgerüstet werden. Darüber hinaus erwirkten Sie in Ihrer Zeit als Abgeordneter die finanzielle Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung in Höhe von 230.000 Euro für die Einrichtung der Herzchirurgie-Abteilung am Gesundheitszentrum der Woiwodschaft Oppeln.

Lieber Herr Paisdzior,

besonders gefällt mir, dass Ihnen immer die so wichtige Jugendarbeit am Herzen lag. So unterstützten Sie Sportvereine und Jugendorchester in Schlesien, welche dank Ihnen  Sportausrüstung und Musikinstrumente erhielten. Im Deutschen Freundschaftskreis Leschnitz organisierten Sie einen Musikzirkel, den Sie mit neuen, aus Deutschland importierten Instrumenten ausstatteten.

Für die Deutsche Minderheit ist es besonders wichtig, dass einer Ihrer besonderen Augenmerke dem kulturellen und religiösen Erbe Schlesiens galten. Sie hatten einen wichtigen Anteil daran, dass die Tradition der deutschsprachigen Gottesdienste wiederbelebt worden ist.

Sie waren darüber hinaus einer der Initiatoren und Gründer einer Stiftung zum Erhalt des Heiligtums des Sankt Annabergs, die sich die Renovierung der sakralen Bauten auf dem Annaberg zum Ziel gesetzt hat. Inspiriert durch Ihr herausragendes Engagement beteiligen sich große Unternehmen und viele bedeutende Bewohner aus der Woiwodschaft Oppeln an dem Vorhaben der Stiftung. Noch heute haben Sie die Position des Vorstandsvorsitzenden der Stiftung inne. Dank Ihres Einsatzes und der Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesregierung erhielt die Stiftung einen Zuschuss für die Restaurierung der Kreuzwegstationen bei der Lourdes Grotte auf dem Sankt Annaberg. Die Fassaden von mehr als 26 Kapellen des Kalvarienberges, der Basilika und des Klosters wurden erneuert.

Besonders erwähnenswert ist daher auch, dass Ihnen auf Antrag des Franziskanerordens und des damaligen Erzbischofs von Oppeln Prof. Dr. hab. Alfons Nossol das Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pontifice von Papst Benedikt XVI. verliehen wurde.

Liebe Gäste,

Wenn wir heute Herrn Paisdzior ein weiteres Mal auszeichnen, wird damit auch die Deutsche Minderheit in Polen als Ganzes geehrt. Mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an einen Ihrer herausragenden Söhne wird ein weiteres Mal unterstrichen, wie wichtig die Deutsche Minderheit in Polen für die Bundesrepublik Deutschland ist.

Ich möchte Sie, lieber Herr Paisdzior nun bitten zu mir zu kommen, damit ich die Ehrung vornehmen kann.

Verleihung des Verdienstkreuzes an Herrn Helmut Paisdzior

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