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Feierliche Beisetzung in Zgierz

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Botschafter Nikel sprach im Rahmen der feierlichen Beisetzung in der Hl. Katharina Kirche in Zgierz am 20. März.

Botschafter Nikel sprach im Rahmen der feierlichen Beisetzung der Opfer deutscher Hinrichtungen im II. Weltkrieg in der Hl. Katharina Kirche in Zgierz am 20. März 2017.

Sehr geehrter Herr Verteidigungsminister,

sehr geehrter Herr Wojewode,

sehr geehrter Herr Stadtpräsident,

sehr geehrte Angehörige,

sehr geehrte Damen und Herren.

ich danke herzlich für Ihre Einladung. Dass ich als Botschafter Deutschlands mit Ihnen, Regierungsvertretern Polens, vor allem aber mit Ihnen, den Angehörigen und Nachfahren der Opfer deutscher Verbrechen, hier gedenken darf, ist keine Selbstverständlichkeit. Ihre Einladung hat mich tief berührt.

Wir sind heute zusammengekommen, um hier der Opfer der schrecklichen Massenhinrichtungen der deutschen Nationalsozialisten zu gedenken. Familien, Freunde und Nachkommen erhalten hier im Lućmierski-Wald endlich einen Ort zum Trauern!

Polen ist im 2. Weltkrieg von deutscher Hand und im deutschen Namen unfassbares Leid zugefügt worden. Millionen von Polen fielen dem Gräuel zum Opfer. Auch mehrere Millionen Juden und andere Völker wurden auf grausamste Weise ermordet. Auch hier, in den Wäldern um Zgierz, sind unzählige Menschen getötet worden. Die heute verlesenen Namen machen das Ausmaß der Grausamkeit nicht annähernd greifbar. Es waren Väter, Mütter, Kinder und gute Freunde, die aus dem Leben gerissen wurden. Menschen die liebten und geliebt wurden. Das Leid ist bis heute spürbar.

Dieses blanke Morden, diese rohe Gewalt – wir können es nicht ungeschehen machen. Wir Deutsche sind uns der Verpflichtung bewusst, die uns aus dieser Vergangenheit erwächst. Sie wird uns immer Mahnung bleiben. Wir haben aus der Geschichte gelernt. Solche Verbrechen dürfen nie wieder passieren. Nie mehr.

Von Anfang an ist die Erinnerung an die NS-Verbrechen der deutschen Nationalsozialisten Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland. Sie leitet unser politisches Handeln. Gemeinsam mit unseren Partnern stehen wir für ein friedliches Zusammenleben der Menschen und Völker in Europa ein. Unsere Geschichte bleibt das wichtigste Motiv für unser Engagement für die europäische Verständigung. Ein friedliches Europa ist ohne eine dauerhafte Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen nicht möglich.

Es waren weitsichtige Polen, die uns als erste die Hand zur Aussöhnung ausstreckten: „Wir vergeben und bitten um Vergebung.“ So lautete der Kernsatz der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Kollegen im berühmten Hirtenbrief von 1965. Mit ihm begann ein langer, nicht immer einfacher Prozess der Annäherung, der auch in Willy Brandts Kniefall am Warschauer Ghettodenkmal und der Versöhnungsmesse in Kreisau 1989 zwischen Bundeskanzler Kohl und Ministerpräsident Mazowiecki weitere Höhepunkte fand. Dies sind die Momente der guten Erinnerung im Sinne der Äußerungen von Papst Franziskus in Krakau im Sommer 2016.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Ihre Einladung zur heutigen Beisetzung steht nicht nur für gemeinsames Trauern und die Erinnerung an eine schlimme Vergangenheit. Sie mahnt uns auch weiter an der deutsch-polnischen Aussöhnung zu arbeiten. Jede neue Generation muss sich erneut der Vergangenheit stellen.

Hier in Zgierz haben Sie die richtigen Konsequenzen gezogen. Mit ihrer Städtepartnerschaft mit Glauchau in Sachsen geben Sie gerade jungen Menschen eine konkrete Perspektive für Partnerschaft und Freundschaft im neuen Europa. Junge Menschen, die sich als Schüler oder Studenten im anderen Land aufhalten, lernen den Nachbarn besser kennen und schätzen. Der intensive Austausch nicht nur junger Menschen eröffnet neue Perspektiven der Partnerschaft und Freundschaft. Lassen Sie uns daher in diesem Tag der Trauer auch ein Zeichen der Hoffnung für ein gutes Miteinander unserer Länder in einem friedlichen Europa sehen.

Vielen Dank!

Zgierz, 20. März 2017

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