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Wallfahrt der deutschen Minderheit

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Botschafter Nikel sprach der Wallfahrt der deutschen Minderheit auf dem St. Annaberg am 4.Juni.

Botschafter Nikel sprach der Wallfahrt der deutschen Minderheit auf dem St. Annaberg am 4.Juni 2017.

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist für mich ein bewegender Moment, heute zusammen mit Ihnen die heilige Messe am Sankt Annaberg, zu feiern.

Ich bin zu Ihnen gekommen, schon zum zweiten Mal während meiner Mission in Polen, um Ihnen die guten Wünsche von Bundespräsident Steinmeier und der Bundesregierung zu überbringen.

Die heutige Messe zeigt: Unser christlicher Glaube führt zusammen. Er lässt uns auch über Grenzen zusammenrücken. Gemeinsam richten wir unser Leben aus auf Versöhnung und Nächstenliebe.

Papst Franziskus hat anlässlich der Weltjugendtage 2016 in Krakau von der guten Erinnerung gesprochen, die es zu erhalten gelte.

Es stimmt: Lange Zeit war der Sankt Annaberg Symbol eines Konflikts zwischen Deutschland und Polen. Hier liegen auch die Toten der Kämpfe von 1921. Hier erlebten viele Menschen großes Leid. Aber hier, am wichtigsten christlichen Wallfahrtsort Oberschlesiens, wird jedes Jahr christliche Versöhnung gelebt. Das ist die gute Erinnerung, von der Papst Franziskus sprach.

Niemand will die Tragödie der Vergangenheit kleinreden. Wie könnten wir aber auch angesichts der unsagbaren Verbrechen, die Polen von deutscher Hand in deutschem Namen zugefügt wurden? Wahr ist aber auch, dass Menschen, die keinerlei persönliche Schuld auf sich geladen hatten, aus ihrer angestammten Heimat vertrieben wurden. Und wahr ist, dass die Deutschen im kommunistischen Polen unterdrückt wurden und der erste Gottesdienst in deutscher Sprache auf dem Annaberg erst vor 28 Jahren stattfinden konnte.

Der Sankt Annaberg trägt seit 500 Jahren eine Botschaft von Frieden und Versöhnung. Damit ist er ein Mahnmal für die Vergangenheit und eine Hoffnung für die Zukunft. Lassen Sie uns diese Botschaft weiter mit Leben füllen, durch ein gutes, nachbarschaftliches Miteinander zwischen Deutschland und Polen, wie es der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag von 1991 vorgibt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
dieser Nachbarschaftsvertrag hat eine solide Grundlage für ein zukunftsgerichtetes Miteinander zwischen der Deutschen Minderheit und der Mehrheitsgesellschaft geschaffen.
Trotz aller Schwierigkeiten hat der Vertrag die Realität verändert. Lassen Sie uns gemeinsam auf diesem Weg weiter voranschreiten.

Meine Damen und Herren,

erlauben Sie mir an diesem historischen Ort zu unterstreichen: Deutschland stellt sich der Verantwortung aus seiner Geschichte. Wir stehen gerade jetzt an Ihrer Seite. Die Bundesregierung wird die Unterstützung für die DMi fortsetzen.

Es lebe die deutsche Minderheit in Polen.
Es lebe die Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen.

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Wallfahrt hier in Sankt Annaberg und ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen ein gesegnetes Pfingstfest.

St. Annaberg, 4. Juni 2017

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