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Neuer Honorarkonsul in Posen

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Botschafter Rolf Nikel sprach am 31. Januar anlässlich der Verabschiedung des HK Karenski-Tschurl und der Amtseinführung des HK Garschynski.

Botschafter Rolf Nikel sprach am 31. Januar 2017 anlässlich der Verabschiedung des HK Karenski-Tschurl und der Amtseinführung des HK Garschynski.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste

Heute stehe ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge vor Ihnen.

Traurig bin ich, da wir heute in dieser Runde Herrn Honorarkonsul Marian Karenski-Tschurl verabschieden müssen. Herr Karenski-Tschurl beendet mit dem heutigen Tag eine lange und erfolgreiche Tätigkeit im Dienste Deutschlands. Seinen Weggang bedauern wir sehr.

Wir freuen uns andererseits, Herrn Honorarkonsul Christoph Garschynski als seinen Nachfolger zu begrüßen. Auf die künftige Zusammenarbeit mit ihm freuen wir uns.

Lieber Herr Karenski-Tschurl,

Wir stehen heute hier, um Ihnen für Ihr mehr als 15-jähriges Wirken als Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Posen herzlich zu danken. Ihr Abschied von diesem Amt gibt uns die Gelegenheit, gemeinsam auf die vergangenen Jahre zurückzublicken.

Ihre enge Verbundenheit zu Deutschland geht bereits auf die Jahre Ihres Studiums zurück. Nach dem Abitur studierten Sie an den-Universitäten in Posen und Warschau Germanistik. In dieser Zeit lernten Sie Ihre Ehefrau kennen, eine ausgezeichnete Sängerin. Einige Jahre haben Sie sie in ihrem künstlerischen Wirken als Impresario begleitet. Gemeinsam haben Sie im Jahre 1987 eine Galerie für moderne Kunst eröffnet. Als damals einzige Galerie zeigte sie polnische moderne Kunst auf internationalen Bühnen, u.a. in Köln und Frankfurt. Als Sie anschließend die Aufgabe des Generalvertreters der deutschen Porzellanmanufakturen „Rosenthal“ und „Meissen“ übernommen haben, konnten Sie, Ihre künstlerische und geschäftliche Interessen zusammenbringen.

Im Juni 2001 hat Bundespräsident Johannes Rau Sie zum Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland ernannt. Dieses Amt haben Sie voller Engagement übernommen und jahrelang mit Hingabe und - hoffentlich auch etwas Freude - ausgeführt. Eigentlich hätten Sie im August 2014 die Dienstgeschäfte ruhen lassen können. Sie haben sich jedoch bereit erklärt, bis zur Ernennung eines Nachfolgers weiterhin im Amt zu bleiben. Auch dafür danke ich Ihnen herzlich.

Die von deutschen Honorarkonsuln wahrgenommenen Tätigkeiten sind vielfältig. Sie unterstützen die diplomatischen und konsularischen Vertretungen bei der Pflege der bilateralen Beziehungen zum Gastland. Dabei beschränken sie sich nicht nur auf das rechtskonsularische Feld. Vielmehr wirken sie bei der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und unserem Gastland im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereich mit.

Heute sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen so eng und partnerschaftlich, wie noch nie zuvor in unserer langjährigen Geschichte. Diese positive Entwicklung ist auch Ihr Verdienst, lieber Herr Karenski-Tschurl.

Mit Ihrer exzellenten Kenntnis der wirtschaftlichen Situation und aller zentralen Akteure am Standort Posen waren Sie stets ein kompetenter und wichtiger Ansprechpartner vor Ort, sowohl für uns und andere deutsche Institutionen, als auch für Wirtschaftsvertreter. Sie haben Türen geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären. Durch die Vermittlung von Kontakten und die Beförderung des Austausches zwischen deutschen und polnischen Akteuren, haben Sie viel zur Entwicklung der bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland beigetragen.

In konsularischen Fragen waren Sie immer ein verlässlicher Ansprechpartner für alle Hilfesuchenden. In schwierigen Momenten sind eine erste Unterstützung vor Ort und eine helfende Hand nicht hoch genug einzuschätzen. Deutschen in Not eilten Sie nicht nur einmal zur Hilfe. Auch im Alltagsgeschäft übernahmen Sie viele Aufgaben, die zahlreichen Menschen eine dreistündige Anreise nach Breslau ersparte. Sie haben hierfür ein Büro in bester Innenstadtlage von Posen eingerichtet und aus eigenen Mitteln eine sehr engagierte und qualifizierte Mitarbeiterin beschäftigt.

Ein besonderes Augenmerk legten Sie natürlich auch auf den kulturellen Bereich. Mit zahlreichen eigenen Initiativen haben Sie dazu beigetragen, moderne deutsche Alltagskultur in Polen bekannt zu machen und zu fördern. Diese Seite von Deutschland ist vielen häufig nur wenig geläufig.

Mehrfach haben Sie erfolgreich Ausstellungen deutscher Kunst sowie andere kulturelle Veranstaltungen organisiert. Besonders ist an dieser Stelle das über viele Jahre von der Posener Oper ausgerichtete, sehr erfolgreichen E.T.A. Hoffmann-Musik-Festival zu erwähnen, an dem Sie maßgeblich mitgewirkt haben.

In meiner knapp dreijährigen Tätigkeit als Botschafter in Polen habe ich Sie als einen zentralen und verlässlichen Ansprechpartner in Posen erlebt. Sei es, wenn Hilfesuchende auf Sie zukamen; sei es bei der kompetenten Beratung in Wirtschaftsfragen für deutsche und polnische Firmen oder sei es bei der Prägung eines positiven Deutschlandbilds in der Öffentlichkeit.

Für Ihre besonderen Verdienste um die Interessen der Bundesrepublik Deutschland in Polen hat Ihnen daher Bundespräsident Joachim Gauck im Jahre 2015 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Sehr geehrter Herr Honorarkonsul,

Lieber Herr Karenski-Tschurl,

für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit möchte ich Ihnen im Namen der Bundesrepublik Deutschland und persönlich herzlich danken. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie alles Gute.

Erlauben Sie mir, Ihnen die Urkunde des Bundesministers des Auswärtigen zu überreichen.

Lieber Herr Garschynski,

wir freuen uns auf Sie, unseren neuen Honorarkonsul in Posen. Durch Sie haben wir erneut einen sehr kompetenten und verlässlichen Vertreter Deutschlands in dieser wichtigen Region. Für Ihre Bereitschaft zur Übernahme dieser Aufgabe möchte ich Ihnen herzlich danken.

Mit der Übernahme der Aufgabe des Honorarkonsuls werden Sie zum Ehrenbeamten der Bundesrepublik Deutschland. Daraus ergeben sich Rechte und Pflichten.

Sie sind berufen „bei der Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen, namentlich auf den Gebieten der wirtschaftlichen Beziehungen und Kooperation, des Verkehrs, der Kultur und der Rechtspflege mitzuwirken und deutschen sowie inländischen juristischen Personen nach pflichtgemäßem Ermessen Rat und Beistand zu gewähren.“

Ich habe gerechnet und kam zum Ergebnis, dass Sie etwa die Hälfte Ihres bisherigen Lebens in Polen und die andere Hälfte in Deutschland verbracht haben. Wer wäre also besser geeignet, eine weitere Brücke zwischen unseren Ländern zu schlagen, die Zusammenarbeit und insbesondere das Verständnis füreinander zu fördern?

Für die Botschaft sind Sie kein Unbekannter. Bereits seit sechs Jahren beraten Sie uns sehr kompetent in kniffligen rechtlichen Fragen. Auch deshalb wissen wir die konsularischen Aufgaben, die sie nun übernehmen werden, bei Ihnen in besten Händen.

Bei unserem Gespräch, kürzlich in Warschau, habe ich mich zudem gefreut zu hören, dass Sie auch für gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Themen großes Interesse hegen. Mit Ihrer Kenntnis der deutschen und polnischen Opernlandschaft haben Sie mich nachhaltig beeindruckt.

Lieber Herr Garschynski,

Ihr Amtsbezirk wird große Teile der Woiwodschaft Großpolen, besonders aber auch die Hauptstadt Posen (Poznań) umfassen. Region und Stadt sind sowohl für Polen als auch in ihren Beziehungen zu Deutschland von großer Bedeutung. Hier wurde im letzten Jahr der 1050. Jahrestag der „Taufe Polens“ begangen. Das Streben nach einem unabhängigen polnischen Staat ist seit jeher in der Stadt verwurzelt. Unser heutiger Empfang findet im Hotel Bazar statt, von dessen Fenster Ignacy Jan Paderewski, der patriotische Musiker und spätere polnische Regierungschef am 26.12.1918 eine Begrüßungsrede hielt, die in engem Zusammenhang mit dem siegreichen Posener Aufstand steht. (Ggf. falls Anwesenheit hoher politischer Repräsentanten von Woiwodschafts-, Marschallamt und/oder Stadt – Zusagefrist ist der 25.1.: Es liegt uns daher sehr am Herzen, dass die Beziehungen des Honorarkonsuls zu den politischen Autoritäten von Woiwodschaft, Selbstverwaltung und Stadt von Anfang an eng und offen gestaltet werden. Die Anwesenheit von N.N. auf Ihrem heutigen Einführungsempfang unterstreicht das wechselseitige Interesse daran.)

Posen ist auch heute noch Zentrum für Wissenschaft und Kultur in West- und Zentralpolen, ablesbar an den vielen Universitäten und Kultureinrichtungen. Ganz besonders hat sich Posen als Wirtschaftszentrum profiliert. Die Woiwodschaft steht an der dritter Stelle bei der Erwirtschaftung des polnischen BIP. Den größten Anteil am ausländischen Investitionskapital haben Unternehmen aus Deutschland. Hier spielt natürlich auch die Posener Messe – der größte Messestandort Polens - eine ganz besondere Rolle. Hier präsentieren über das Jahr verteilt hunderte deutscher Unternehmen ihre Produkte. Auf ihr finden viele Vorgespräche für zukünftige Investitionen in Großpolen statt. Sehr viele deutsche Unternehmen sind bereits vor Ort, insbesondere im Bereich der Automobil- und der KfZ-Zulieferindustrie. Prominentestes Beispiel war die kürzliche Eröffnung des neuen VW-Werkes in Września, mit der VW zum größten ausländischen Arbeitgeber in der Region wurde.

Auch auf dem Gebiet der Wirtschaftsförderung und der Kontakte zu deutschen Unternehmen zählen wir – ebenso wie in allen anderen Fragen der Förderung der deutsch-polnischen Beziehungen auf unsere Honorarkonsuln, die durch ihre exzellente Vernetzung die Arbeit der Generalkonsulate wesentlich unterstützen können.

Herr Garschynski, ich möchte Ihnen für die neue Aufgabe gutes Gelingen wünschen. Das Generalkonsulat Breslau, die Botschaft und auch Generalkonsulin Elisabeth Wolbers und ich persönlich stehen Ihnen als Ansprechpartner selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. Das Netzwerk der deutschen Honorarkonsuln ist für uns zentral, um die engen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern weiter zu vertiefen.

Die anwesenden Gäste möchte ich bitten, Herrn Garschynski das gleiche Vertrauen entgegen zu bringen, das Sie bisher Herrn Karenski-Tschurl haben zuteil werden lassen.

Erlauben Sie mir die Urkunden vorzutragen.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung, auf gute Zusammenarbeit und viel Erfolg.

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