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25 Jahre nach der Flucht aus der DDR über die Deutsche Botschaft

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Botschafter Rolf Nikel hat am 19. September 2014 am ehemaligen Gelände der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland eine Gedenktafel enthüllt.

Am 19. September 2014 hat Botschafter Nikel am ehemaligen Gelände der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Dąbrowiecka-Str. 30 eine Gedenktafel zum Zeichen des Dankes an die Warschauer, insbesondere an die Bewohnerinnen und Bewohner von Saska Kępa, die den DDR-Flüchtlingen helfend zur Seite standen, enthüllt.

Sehr geehrte Damen und Herren, Szanowni Państwo,

25 lat temu na tej ulicy, przed tym budynkiem odgrywały się niezwykłe sceny. Setki obywateli NRD całymi dniami koczowały w oczekiwaniu na wyjazd do Republiki Federalnej Niemiec. A cała okolica była zastawiona porzuconymi trabantami.

Polen war zu diesem Zeitpunkt bereits fest auf dem Weg in Richtung Freiheit und Demokratie. Es war das erste Land des ehemaligen Ostblocks, in dem am 4. Juni 1989 eine erste halbfreie Parlamentswahl stattfand. Nach jahrzehntelangem Kampf um Freiheiten und unter vielen Opfern hatte der erste nichtkommunistische Ministerpräsident, Tadeusz Mazowiecki, am 24. August 1989 die Regierungsgeschäfte übernommen.

Tausende DDR-Bürger reisten im Sommer 1989 nach Ungarn, in die Tschechoslowakei und nach Polen, um dem Regime den Rücken zu kehren. Es war eine Abstimmung mit den Füßen, die das marode DDR-Regime letztlich zusammenbrechen ließ und zum Fall der Berliner Mauer beitrug.

Über Warschau reisten rund 6000 Menschen nach Deutschland. Dies war nur deshalb möglich, weil die neue polnische Regierung unter Ministerpräsident Mazowiecki die Ereignisse wohlwollend und unterstützend begleitet hat. Aber nicht nur die polnische Regierung half: Engagiert waren das Polnische Rote Kreuz, die Solidarność, die Katholische Kirche. Dank dieser breiten Unterstützung wurden die Zufluchtsuchenden in achtundzwanzig externen Unterkünften untergebracht und versorgt, bevor sie schließlich mit Flugzeugen, Zügen oder per Fähre ausreisen konnten.

Engagiert waren aber nicht nur polnische Institutionen, sondern vor allem auch polnische Bürgerinnen und Bürger. Viele halfen spontan. Sei es der polnische Taxifahrer, der die DDR-Flüchtlinge kostenlos nach Saska Kępa fuhr. Oder der Straßenbahnschaffner, der bei DDR-Flüchtlingen ohne Fahrkarte ein Auge zudrückte. In erster Linie aber waren es die Bewohner von Saska Kępa, die die Menschenflut in ihren Straßen nicht nur duldeten, sondern ihnen halfen, so gut es ihnen möglich war. Von der heißen Tasse Tee bis zur Aufnahme in den eigenen vier Wänden – es waren diese Gesten der Menschlichkeit, die vor dem großen Hintergrund der Zeitenwende 1989 auch einen Baustein für das Wunder der Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen legten.

Die Ereignisse in Polen und der Erfolg der Solidarność-Bewegung wurden in der DDR mit Aufmerksamkeit verfolgt. Die offizielle Seite und die Staatssicherheit erkannten hierin zu Recht eine tödliche Gefahr für das SED-Regime. Die Opposition in der DDR, die sich bereits zu Beginn der 80er Jahre mit Schlagworten wie „Lernt Polnisch“ oder „Macht es wie die Polen“ bei unseren Nachbarn inspirierten, sah im Freiheitskampf der Polen Beispiel und Ansporn für die Deutschen in der DDR.

Ohne die Freiheitsbewegung in Polen und den anderen mitteleuropäischen Staaten wären die europäische Freiheitsrevolution von 1989 und der Fall der Berliner Mauer nicht denkbar gewesen. Wir Deutschen wissen um den Beitrag Polens, der entscheidende Weichen für den Fall der Mauer und die deutsche Wiedervereinigung gestellt hat. Dafür sind wir zutiefst dankbar.

Deutschland sagt Danke. Danke auch dafür, dass die deutsch-polnischen Beziehungen heute so gut, dicht und vielfältig sind, wie wohl nie zuvor in unserer wechselvollen über 1000-jährigen gemeinsamen Geschichte. In den letzten 25 Jahren haben wir einen großen gemeinsamen Weg zurückgelegt. Die heutige deutsch-polnische Partnerschaft verdanken wir auch dem Freiheitswillen der Polen und ihrer Bereitschaft, neues Vertrauen in ihre deutschen Nachbarn zu fassen.

25 Jahre nach den Ereignissen möchten wir an dieses bedeutende Kapitel der deutsch-polnischen Geschichte erinnern. Die Gedenktafel, die wir heute enthüllen, ist ein Zeichen der Erinnerung und des Dankes an die Warschauer, die den DDR-Flüchtlingen helfend zur Seite standen.

Nie byłoby jedności Niemiec bez polskiego zrywu wolnościowego. Nie byłoby prawdziwego polsko-niemieckiego pojednania bez Solidarności.

Dziękuję Polsko, dziękuję Warszawo! Dziękuję szerokiej rzeszy ludzi, którzy wówczas pomagali! Dziękuję za cud polsko-niemieckiego pojednania!

19. September 2014

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