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Verlegerabend auf der VIII. Warschauer Buchmesse

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Botschafter Nikel sprach zur Eröffnung des Verlegerabends im Rahmen der VIII. Warschauer Buchmesse.

Botschafter Nikel sprach zur Eröffnung des Verlegerabends im Rahmen der VIII. Warschauer Buchmesse

-- es gilt das gesprochene Wort --

Sehr geehrter Herr Boos,

Sehr geehrte Herren Vorsitzende,

Cher Collègue.

Szanowni Państwo,

wir haben eine erfolgreiche Eröffnung der Warschauer Buchmesse hinter uns. Mit rund 800 Ausstellern übersteigt die Teilnahme nochmals die Zahlen des Vorjahres. Ich wünsche uns allen, dass die Besucherzahlen in den kommenden drei Messetagen alle Erwartungen übersteigen werden. Als Botschafter des Gastlandes freue ich mich, dass wir Ihnen mit 66 Ausstellern und 12 Gastautoren den Reichtum deutscher Literatur präsentieren können. Ich lade Sie ein: treten Sie mit unseren Autoren in einen Dialog.

Die Eröffnung der Buchmesse heute Mittag hat mich zutiefst bewegt.

Als Sonderpreisträgerin des X. Literaturpreises der Stadt Warschau hat die außergewöhnliche Autorin Hanna Krall die Warschauer Buchmesse eröffnet. Aus einer jüdischen Familie stammend, gleicht es einem Wunder, dass Hanna Krall den Zweiten Weltkrieg und die grausame deutsche Besatzung überlebt hat. Das Schicksal der Juden ist seither eines der zentralen Themen ihres Schaffens. Weltweite Beachtung fand ihr Werk „Dem Herrgott zuvorkommen“ - ein literarische Gattungsgrenzen verwischendes Interview mit Marek Edelman, einem der Kommandeure des Warschauer Ghettoaufstandes von 1943. In Kralls Werk fließen die Vergangenheit des Warschauer Ghettos und die Gegenwart des Überlebenden Edelman ineinander.

So ist es auch in Warschau. Wo immer ich mich in Warschau befinde, fließen Vergangenheit und Gegenwart ineinander. Die deutschen Verbrechen haben sich in das Stadtbild eingeschrieben, wie in kaum einer anderen polnischen Stadt. Heute Abend feiern wir in den Kubicki-Arkaden unterhalb des Königsschlosses, das die Deutschen 1944 sprengten.

Heute stehen wir hier mit nachkommenden Generationen zusammen und freuen uns über die kulturelle Zusammenarbeit, die uns so eng verbindet.

Deutsche und Polen haben den Graben, den der Zweite Weltkrieg zwischen sie gerissen hat weitgehend überwunden. Es waren die Worte der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder von 1965, „Wir vergeben und bitten um Vergebung“, die den Aussöhnungsprozess einleiteten. Es waren dann der Kniefall Willy Brandts 1970 vor dem Ghetto-Denkmal und die Versöhnungsmesse in Kreisau mit Bundeskanzler Kohl und Ministerpräsident Mazowiecki, die diesen Prozess symbolisierten. Es ist gelungen, die Menschen zusammen zu bringen, weil aufrechte Polen uns die Hand zur Versöhnung entgegenstreckten. Und es war die polnische Widerstandsbewegung, die einen wichtigen Beitrag zum Fall der Berliner Mauer geleistet hat.

Ich wünsche uns, dass wir in Deutschland und in Polen stets offen bleiben, für die Worte, die uns von diesseits und jenseits der Oder erreichen. Gerade in Zeiten großer innerer und äußerer Herausforderungen in Europa ist der offene und vertrauensvolle Dialog zwischen Deutschland und Polen absolut zentral. Mögen sie dazu beitragen, dass er nie abreißt.

Ich wünsche Ihnen anregende Tage auf der Warschauer Buchmesse. Vielen Dank.

Warschau, den 18. Mai 2017

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