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Verdientskreuzverleih der Bundesrepublik Deutschland an Fr. Dr. Dethloff und Fr. Monika Ordon-Krzak

29.01.2020 - Rede

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Frau Dr. Dethloff,
Sehr geehrte Frau Ordon-Krzak,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Orden zu überreichen gehört zu den erfreulichsten Aufgaben eines Botschafters. So freue ich mich heute besonders mit Frau Dethloff und Frau Ordon-Krzak zwei herausragende Freunde Deutschlands ehren zu können.

Beginnen wir mit Frau Dr. Dethloff.

Sie, sehr geehrte Frau Dr. Dethloff, haben sich als Leiterin der Dethloff Deutschschule und Organisatorin zahlreicher Schüleraustauschprogramme und Kulturprojekte zu Deutschland über viele Jahre und in besonderem Maße um die Verständigung zwischen Deutschland und Polen verdient gemacht. Für diese Verdienste darf ich Ihnen heute das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verleihen.

Sie widmen sich seit vielen Jahren dem Unterricht der deutschen Sprache und Kultur. Als promovierte Chemikerin bauten Sie zusammen mit ihrem vor einigen Jahren verstorbenen Mann, Herrn Michael Dethloff, 1992 eine private Sprachschule, in Lublin auf. Nach zwei Jahren erfüllte die Schule sehr hohe Standards und wurde so zum Prüfungszentrum des Goethe-Instituts. Später war die Schule selbst auch Ort des Goethe-Zentrums. Das Goethe-Institut Warschau schätzt Sie als höchst engagierte und professionelle Kooperationspartnerin. An der Dethloff Deutschschule haben seit der Gründung der Schule mehr als 9000 Schüler aller Niveaustufen gelernt.

Als Kooperationspartnerin unterstützen Sie, liebe Frau Dr. Dethloff, auch die Arbeit des Goethe-Instituts bei herausfordernden Projekten, wie etwa neulich bei dem Projekt „Flüchtlinge – damals und heute“, an dem Schüler aus Deutschland, Polen und der Ukraine beteiligt waren und das zum Teil in Lublin stattfand.

Grundlage Ihrer Arbeit sind Ihre exzellenten Deutschkenntnisse, die Sie bereits in den siebziger Jahren während des Studiums an der Technischen Hochschule für Chemie in Leuna-Merseburg erwarben. Seit den siebziger und bis in die neunziger Jahre waren Sie auch als Dolmetscherin und Übersetzerin tätig.

Zusätzlich zur Leitung Ihrer Schule engagieren Sie sich von Anfang an ehrenamtlich und weit über das normale Maß hinaus in der Jugendarbeit, darunter bei Schüleraustauschprogrammen mit Berlin, Münster und Retzbach. An weit über 50 deutsch-polnischen, aber auch deutsch-polnisch-ukrainischen Projekten wirkten Sie, liebe Frau Dr. Dethloff, bereits maßgeblich mit. Eine Vielzahl der Projekte wird vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk unterstützt. Das Jugendwerk schätzt Sie ebenfalls als höchst zuverlässigen und erfahrenen Partner, der Projekte hochprofessionell vor- und nachbereitet und mit herausragender Hingabe durchführt. Die Projekte werden über das Deutsch-Polnische Jugendwerk, Beiträge der Schüler sowie Eigenbeiträge der Schule finanziert.

Auch auf kultureller Ebene leisten Sie Herausragendes: Aus eigener Initiative organisieren Sie deutsche Filmwochen, Schiller-Rap-Konzerte, Deutschlehrerschulungen, Workshops und Wettbewerbe für Schüler und Lehrer zur deutschen Sprache, Ausstellungen und andere Kulturveranstaltungen. Die Bedeutung, die Ihnen damit für die Kulturszene in Lublin und der gesamten Wojewodschaft zukommt, ist kaum zu überschätzen. An den kulturellen Projekten, die von Ihnen organisiert wurden, haben insgesamt weit über 2000 Personen teilgenommen.

Die Dethloff Deutschschule gilt weit über die Grenzen Lublins hinaus als eine Institution mit exzellentem Ruf. Sie steht nicht nur für einen hervorragenden Deutschunterricht. Ihre Schule ist auch ein Ort der Begegnung und eine Gemeinschaft, in der Offenheit, Respekt und Neugierde für andere Kulturen gelebt werden. Die Schule ist zudem zu einer bedeutsamen Institution für Kulturveranstaltungen in der Region geworden, die ihres gleichen sucht. Sie leistet Kulturarbeit in einer wichtigen Region. So übernimmt die Dethloff Deutschschule für Lublin und Umgebung die Bedeutung eines deutschen Kulturinstituts.

Liebe Frau Dr. Dethloff,

Sie haben sich die Förderung der deutschen Sprache und Kultur sowie die Annäherung von deutschen und polnischen Jugendlichen zur Lebensaufgabe gemacht. Diese verfolgen sie unermüdlich und mit größter Hingabe seit mittlerweile über 25 Jahren. Durch Ihr außerordentliches und jahrzehntelanges Engagement für die deutsche Sprache und Kultur sowie für Begegnung und Austausch von polnischen und deutschen Jugendlichen leisten Sie, liebe Frau Dr. Dethloff, einen herausragenden Beitrag zur Versöhnungsarbeit und zu guten Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. Hierfür wollen wir Ihnen sehr danken.

Wir bewundern Ihre Arbeit und Ihr persönliches Engagement zutiefst. Deshalb hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier entschieden, Ihnen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. Es ist mir eine große Freude, Ihnen diese hohe Auszeichnung jetzt zu überreichen.

Ich darf Ihnen den Text der Verleihungsurkunde verlesen.

Ich gratuliere Ihnen herzlich zu dieser Auszeichnung.

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Jetzt komme ich zu Frau Ordon-Krzak.

Sehr geehrte Frau Ordon-Krzak,

„wer die Verständnislosigkeit nicht mehren, sondern das Befremden reduzieren möchte, der hat eine Chance: als Dolmetsch“, sagte einst der große deutsche Übersetzer polnischer Literatur Karl Dedecius.

Diese Chance ergreifen Sie, liebe Frau Ordon-Krzak, seit Jahren tagtäglich. So haben wir uns heute zusammengefunden, um Sie zu ehren und Ihre Verdienste als Dolmetscherin um die deutsch-polnische Verständigung – im ganz eigentlichen Sinne dieses Wortes und darüber hinaus – zu würdigen.

Liebe Frau Ordon-Krzak,

Sie wurden in Warschau geboren und haben Ihre Kindheit teilweise in Österreich, in Linz, verbracht, wo Sie nicht nur die dort sogenannte Landessprache erlernten, sondern sich offenbar auch die unverwechselbare Klangfarbe Ihrer Stimme aneigneten, die viel sympathischer wirkt als unser Deutsch. Wie dem auch sei, damit legten Sie jedenfalls den soliden Grundstein für Ihre spätere berufliche Laufbahn.

Mit diesem bilingualen Hintergrund studierten Sie am Institut für Übersetzer- und Dolmetscherausbildung der Universität Wien. Ihr Studium des Deutschen, des Polnischen und des Russischen schlossen Sie mit Auszeichnung ab.

Liebe Frau Ordon Krzak,

wir kennen uns seit vielen Jahren. Seit nunmehr 25 Jahren sind Sie als Dolmetscherin für die höchsten politischen Amtsträger der Republik Polen im Einsatz. Ihre beeindruckende sprachmittlerische Kompetenz sucht ihresgleichen. Und es wirkt bei Ihnen bei aller Anspannung des Simultandolmetschens immer irgendwie gelassen und leicht. Ihre hohe Professionalität und Ihr beträchtlicher Erfahrungsschatz tragen jedenfalls wesentlich zum guten Gelingen deutsch-polnischer Begegnungen bei.

Sie haben seitdem nahezu sämtliche polnisch-deutschen Begegnungen auf hoher Ebene begleitet. Wahrscheinlich kein anderer – und hier meine ich nicht nur kein anderer Dolmetscher – kennt so viele polnische Politiker derart aus der Nähe wie Sie. Ich bin auf Ihre späteren Memoiren sehr gespannt. Sie hätten jenseits der Sprachmittlung sicherlich viel zu erzählen, was Sie aber natürlich aus professionellem Ethos heraus nicht tun würden. Richtig?

Sie dolmetschten die polnischen Ministerpräsidenten Jerzy Buzek und Leszek Miller bei fast allen Begegnungen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident Donald Tusk und Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bei den Begegnungen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie waren auch u.a. für die Ministerpräsidenten Włodzimierz Cimoszewicz, Marek Belka, Jarosław Kaczyński und die Ministerpräsidentinnen Ewa Kopacz und Beata Szydło regelmäßig im Einsatz und dolmetschen stets bei den Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen.

Auf Präsidentenebene begleiteten Sie Präsident Aleksander Kwaśniewski bei seinen Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, mit Bundespräsident Johannes Rau und Bundespräsident Horst Köhler, Präsident Lech Kaczyński – bei allen Begegnungen mit Bundepräsident Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel, Präsident Bronisław Komorowski – bei den Gesprächen mit Bundespräsident Christian Wulff und Joachim Gauck sowie Bundeskanzlerin Merkel.

Seit 2015 sind Sie auch für Präsident Andrzej Duda als Dolmetscherin tätig. Auch die Außenminister der Republik Polen dolmetschen Sie seit vielen Jahren und sind außerdem für den Sejm und den Senat immer wieder im Einsatz.

Darüber hinaus arbeiten Sie mit diversen Einrichtungen zusammen, die eine wichtige Rolle im vielfältigen deutsch-polnischen Austausch spielen: u.a. dem Deutschen Historischen Institut Warschau, dem Goethe-Institut, der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer und politischen Stiftungen.

Neben Ihrer Tätigkeit als Dolmetscherin haben Sie sich auch als Literaturübersetzerin betätigt. Unter den von Ihnen übertragenen Werken sind Gedichte von Auschwitz-Häftlingen, u.a. des Schriftstellers Tadeusz Borowski, die in einer umfangreichen Anthologie erschienen sind.

Liebe Frau Ordon-Krzak,

über Ihre im engeren Sinne berufliche Tätigkeit hinaus engagieren Sie sich ehrenamtlich als Präsidentin des Verbands der Polnischen Übersetzer und Dolmetscher. Auf diese Weise setzen Sie sich für die Belange von Sprachmittlern in Polen ein und tragen so zur Stärkung dieses Berufsstands sowie zur Förderung professioneller und berufsethischer Standards bei. Durch die Verbandsarbeit wird das Bewusstsein für die Bedeutung qualifizierter Leistungen von Dolmetschern und Übersetzern im Rahmen der internationalen Kommunikation und Völkerverständigung gestärkt – auch und gerade im Zeitalter von Globalisierung und dem fürchterlichen „Google Translate“.

Liebe Frau Ordon-Krzak,

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

als Karl Dedecius im Jahre 1990 den Friedensbuchpreis des Deutschen Buchhandels entgegennahm, sagte er in seiner Dankesrede über das Übersetzen: „Es bändigt Gegensätze, es bringt Ungleiches auf einen gemeinsamen Nenner. Es übt Selbstlosigkeit, die Anpassungsfähigkeit und Toleranz – alles Eigenschaften, die wir dringend nötig haben. Es ist eine der seltenen Botschaften, die zwei sich fremd, oft verständnislos gegenüberstehenden Völkern und Kulturen zugleich einen guten Dienst erweist. Es baut Ressentiments, Dünkel, geistige Barrieren ab und wirkt somit an den Grundlagen der Friedenspolitik mit.“

Die Worte von Karl Dedecius lassen sich gleichermaßen auf die Übertragung des gesprochenen Wortes aus einer Sprache in die andere – das Dolmetschen – anwenden, und an dieser Grundlagen- und Friedensarbeit wirken Sie, liebe Frau Ordon-Krzak, seit Jahren maßgeblich mit.

Bereits 2005 wurden Sie mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Ich freue mich daher sehr, liebe Frau Ordon-Krzak, Ihnen heute einen weiteren Orden, das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, überreichen zu können.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat es Ihnen verliehen für Ihren langjährigen Einsatz für die deutsch-polnische Verständigung. Ich verrate hier sicherlich kein Staatsgeheimnis, wenn ich Ihnen sage, dass die Initiative zur Verleihung des Ordens in diesem Fall vom Bundespräsidenten persönlich ausging, der am Ende eines Besuches von Ihren Künsten so angetan war, dass er mich bat, einen Ordensvorschlag vorzulegen, was ich selbstverständlich sofort exekutiert habe.

Es ist mir eine große Ehre und Freude, Ihnen diese hohe Auszeichnung jetzt zu überreichen.

Ich gratuliere Ihnen sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung und wünsche Ihnen für Ihre weitere Tätigkeit zum Wohl der deutsch-polnischen Beziehungen alles Gute.

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