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Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland an Prof. Dr. habil Krzysztof Ruchniewicz

17.01.2020 - Rede

Sehr geehrter Herr Rektor
Sehr geehrter Herr Professor, lieber Herr Ruchniewicz,
Lieber Herr Kollege Neumann,
Meine Damen und Herren,


es ist mir eine besondere Ehre und Freude, Sie alle hier in der ehrwürdigen Universität zu Breslau begrüßen zu können. Haben Sie herzlichen Dank, Herr Rektor, dass Sie die herrlichen Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben.

Wir sind heute zusammengekommen, um mit Ihnen, lieber Herr Professor Ruchniewicz, einen herausragenden Wissenschaftler und einen sehr guten Freund der Bundesrepublik Deutschland zu ehren. Wir können uns glücklich schätzen, dass ein Forscher Ihres Kalibers sich immer wieder höchst konstruktiv in die aktuellen, z.T. kontroversen deutsch-polnischen Debatten einbringt. Haben Sie herzlichen Dank dafür.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
es ist mir ein großes Anliegen, Sie, Herr Professor Ruchniewicz, in Ihrer Heimatstadt Breslau und in der Universität zu ehren, wo Sie Ihre geschichtswissenschaftliche akademische Laufbahn begannen. Wie es sich für einen waschechten Schlesier gehört, blickten Sie von Anfang an natürlich nicht nur nach Osten, sondern auch gen Westen. So begannen Sie schon bald, Ihr westliches Nachbarland zu erkunden. Sie studierten an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und der Philipps-Universität in Marburg. Während Ihres Studiums waren Sie Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Stiftung für Polnische Wissenschaft, was dem Weitblick beider Institutionen zur Ehre gereicht.

Und die intellektuelle Beschäftigung mit Deutschland ließ Sie nicht mehr los. Ich verstehe Sie gut! Die deutsch-polnischen Beziehungen gehören nun einmal zu den wichtigsten, zugleich nicht einfachen bilateralen Beziehungen, die wir haben. Sowohl Ihre Doktorarbeit als auch Ihre Habilitationsschrift befassten sich mit Themen von hoher akademischer und politischer Relevanz. In Ihrer Habilitationsschrift widmeten Sie sich dem Thema der deutschen Wiedergutmachung, einem auch heute wieder sehr heißen Eisen. Seit 1991 lehren Sie am Institut für Geschichte der Universität Wrocław. Seit 2009 sind Sie Professor der Universität Wrocław.

Lieber Professor Ruchniewicz,
besonders verdient gemacht haben Sie sich als Gründungsdirektor des Willy-Brandt-Zentrums für Deutschland- und Europastudien. Die Botschaft Warschau und das Generalkonsulat Breslau haben mit Ihnen als langjährigem Direktor stets hervorragend zusammengearbeitet.

Sie sind Initiator und oft aktiver Teilnehmer von Debatten zu den deutsch-polnischen Beziehungen. Dabei ist Ihr Spektrum sehr breit. Die Erinnerungskulturen in beiden Staaten liegen Ihnen genauso am Herzen wie etwa die Themen Entschädigung oder die aktuelle politische Lage beiderseits der Oder.

Ihr breites und intensives Engagement zum Wohl der deutsch-polnischen Aussöhnung wird auch international sehr geschätzt. Sie sind bekannt für Ihre klare Sprache und Ihre stete Bereitschaft, sich konstruktiv und engagiert für ihre Überzeugungen einzusetzen. Durchaus kritisch, aber immer wohlwollend und vor allem mit dem Blick auf unsere gemeinsame Zukunft in Europa gerichtet.

Die zahlreichen Informations- und Diskussionsveranstaltungen des Willy-Brandt-Zentrums zu aktuellen Themen, die Sie inspirieren und organisieren, wecken großes Interesse weit über die Breslauer Öffentlichkeit hinaus. Auch ich besuche das Institut immer gern, wenn ich nach Breslau komme. Prominente Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft nutzen gern seine intellektuellen Ressourcen. Auf Ihre Einladung nahmen seit der WBZ-Gründung fast 200 prominente deutsche Gäste an öffentlichkeitswirksamen Diskussionen in Breslau teil. In diesem Kontext seien Bundestagsvizepräsident a.D. Thierse, der berühmte deutsch-amerikanische, aus Breslau stammende Historiker Fritz Stern, Altbundeskanzler Gerhard Schröder oder Altbundespräsident Richard von Weizsäcker genannt. Zuletzt haben Sie gemeinsam mit dem Generalkonsulat Breslau Veranstaltungen zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls organisiert.

Das WBZ ist durch Forschung, Lehre und Öffentlichkeitsarbeit zu einem unverwechselbaren Markenzeichen der fruchtbaren intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Nachbarn geworden.

Sehr geehrter Herr Professor Ruchniewicz,

Ihr Rat als Experte wird gesucht. Ihr Ruf als scharfzüngiger Redner bei wissenschaftlichen Veranstaltungen in Deutschland und Polen ist legendär.

Nicht zuletzt dank dieser Aktivitäten wurden Sie in zahlreiche Gremien renommierter Institutionen im In- und Ausland berufen:

Als Beispiel nenne ich hier:

  •  den stellvertretenden Vorsitz des Kuratoriums des Zentrums für Dokumentation, Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland
  • den Beirat der Stiftung Bayerische Gedenkstätten
  • den Beirat des Herder-Instituts in Marburg
  • den Stellvertretenden Vorsitz des Wissenschaftlichen Rates des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und
  • das Kuratorium der Stiftung Kulturwerk Schlesien.

Viele andere wissenschaftliche Institutionen, in deren Gremien Sie mitarbeiten, kann ich hier angesichts der begrenzten Zeit nicht im Einzelnen aufführen.

Sehr geehrter Herr Professor Ruchniewicz,

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Sie, Herr Professor Ruchniewicz, sind Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen – etwa auch der polnischen Erstausgabe von Auszügen der Tagebücher Harry Graf Kesslers, eines meiner höchst illustren Vorgänger, oder der Veröffentlichungen „Schauplatz Geschichte. Entdecken und Verstehen in den deutsch-polnischen Beziehungen“ und „Kreisau neu gelesen“.

Ihr stets höchst interessanter Blog zu aktuellen deutsch-polnischen Themen erfreut sich größter Beliebtheit, nicht nur, aber auch bei mir persönlich. Ihre Kommentare zu Themen wie Kriegsentschädigungen, deutsch-polnische Nachbarschaft, Finanzierung der Polonia in Deutschland sind stets sehr klar geschrieben und auch für einen Schnellleser wie mich sofort verständlich. Besonders schätze ich es, wie Sie verfälschende Informationen richtigstellen. Bitte beteiligen Sie mich weiterhin an Ihren Beiträgen

Wie umfassend Ihre Verdienste sind, zeigt die beeindruckende Zahl von Auszeichnungen, die Sie bereits erhalten haben. Dazu zählt insbesondere das Verdienstkreuz der Republik Polen in Gold. Ich freue mich daher sehr, lieber Herr Professor Ruchniewicz, dass Bundespräsident Steinmeier Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz für die gelebte deutsch-polnische Verständigung und Freundschaft und für die Förderung des pro-europäischen Dialogs das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen hat. Es ist eine große Ehre für mich, Ihnen diese hohe Auszeichnung jetzt zu überreichen.

Ich gratuliere Ihnen herzlich zu dieser Auszeichnung und hoffe, dass Sie Ihre großartigen Aktivitäten zum Wohle der deutsch-polnischen Beziehungen weiter fortsetzen werden.

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