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Grußwort des Botschafters Nikel anlässlich der Konferenz „Juden im Kampf gegen Nazideutschland während des Zweiten Weltkriegs“

20.09.2019 - Rede

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

haben Sie herzlichen Dank für die Einladung zur Konferenz „Juden im Kampf gegen Nazideutschland während des Zweiten Weltkriegs“. Ich danke Ihnen für die Möglichkeit, einige Worte an Sie zu richten.

Für das Gedenken an den jüdischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs ist dieses Museum ein ganz zentraler Ort. Nicht nur aufgrund der Geschichte, die seine Schautafeln und Artefakte über diesen Widerstand erzählen, sondern auch wegen seiner Umgebung.

Wir befinden uns auf den Trümmern dieser Geschichte, auf den Ruinen des ehemaligen Ghettos, das nach dem Aufstand nahezu vollständig zerstört wurde. Direkt vor dem Museum erinnert ein Denkmal an die Helden des Ghettoaufstandes, die heldenhaft gegen die deutschen Besatzer gekämpft hatten. Viele der Kämpfer liegen bis zum heutigen Tag unter den Trümmern dieser Stadt begraben. Vor fast 50 Jahren kniete Bundeskanzler Willy Brandt in Demut vor diesem Ehrenmal, um den Toten die Ehre zu erweisen.  

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

zu lange ist der Widerstand der jüdischen Bevölkerung, nicht nur in Deutschland, sondern auch an anderen Orten Europas, nicht ausreichend gewürdigt worden. Viel zu lange wurden die Juden nicht als aktive Widerstandskämpfer, sondern ausschließlich als passive Opfer wahrgenommen.

Dabei haben jüdische Widerstandskämpfer in vielerlei Formen dem mörderischen NS-Regime widerstanden: Von den Partisanen in Polen und Weißrussland und der Resistance in Frankreich, bis zu der Berliner Gruppe um Herbert Baum in Deutschland, um einige zu nennen.

In Deutschland lag der Fokus zunächst auf der Rettung von Menschenleben durch die organisierte Flucht ins Ausland. Ungefähr 1700 Juden überlebten in Berlin im Versteck.

Später gab es Kampfschriften und einen Brandanschlag auf eine Berliner Ausstellung. Die zionistische Chaluz-Bewegung bereitete Jugendliche auf ihre Emigration nach Palästina vor und verhalf vielen zur Flucht. Sie taten dies ohne nennenswerte Unterstützung seitens der anderen Deutschen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

vor einigen Monaten hielt Marian Turski in der deutschen Botschaft einen sehr wichtigen Vortrag zur Thematik des jüdischen Widerstands. Er beleuchtete vor allem auch die Frage, warum es so lange gedauert hatte, bis die Juden im Ghetto zum letzten Mittel griffen und die Waffe in die Hand nahmen. Wir alle waren tief beeindruckt, wie analytisch klar er den Terror, den Hunger, die Einstellung der umgebenden Bevölkerung und die Verfügbarkeit von Waffen als entscheidende Faktoren herausarbeitete.

Der Ghetto-Aufstand wird uns Mahnung sein, immer zu der Verantwortung für die von uns Deutschen an den Juden und anderen im deutschen Namen begangenen Verbrechen zu stehen.

Bundespräsident Steinmeier hat es erst vor kurzem in Warschau und Wielun hervorgehoben: Deutschland trägt für diesen rassenideologischen Vernichtungsterror die volle Verantwortung. Und wir werden uns dieser Verantwortung immer stellen.

Ich begrüße es sehr, dass Ihre Konferenz sich mit dieser wichtigen Thematik befasst. Warschau, eine Stadt, die als Ort des Aufstandes im Ghetto sinnbildlich für den jüdischen Widerstand im Zweiten Weltkrieg steht, ist hierfür der geeignete Ort.

Die Heldinnen und Helden dieses Widerstands sind nicht vergessen. Sie fordern uns auch heute auf, jeder Form des Antisemitismus beherzt entgegen zu treten. 

Ich wünsche Ihnen eine einprägsame Konferenz mit Beiträgen, die bewegen und zum Nachdenken anregen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


- Museum der Geschichte der polnischen Juden POLIN -

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