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Grußwort des Botschafters Nikel anlässlich der Wallfahrt der Deutschen Minderheit zum St. Annaberg

02.06.2019 - Rede

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist für mich ein bedeutender Moment, heute zusammen mit Ihnen die 24. Wallfahrt der Minderheiten auf dem St. Annaberg zu feiern. Meine Anwesenheit aus diesem Anlass hat schon Tradition. Auch dieses Mal bin ich mit großer Freude gekommen, um ein Zeichen der Verbundenheit mit Ihnen zu senden. Ich überbringe Ihnen die besten Grüße von Bundespräsident Steinmeier.

Der St. Annaberg war über die Jahrhunderte hinweg Zeuge einer wechselvollen Geschichte. Als Wallfahrtsort  trägt er seit über 500 Jahren eine Botschaft von Frieden und Versöhnung.

In diesem Jahr, in dem sich der Beginn der schlesischen Aufstände zum 100. Male jährt, werden wir uns der Tatsache bewusst, dass der Sankt Annaberg für viele Menschen, Deutsche und Polen, auch schmerzliche Erinnerungen birgt. Die Menschen, die sich damals für ihre Sache auf beiden Seiten einsetzten, standen patriotisch für das jeweilige Vaterland ein. Im christlichen Geiste der Versöhnung verneigen wir uns vor den Opfern.

Später haben die nationalsozialistische Verblendung, der rassenideologische Vernichtungskrieg des NS Regimes, dem so viele Polen zum Opfer fielen, und seine Folgen unsägliches Leid über die Menschen gebracht, auch über Deutschland selbst.

Ja, diese Erinnerungen sind schmerzlich – für alle. Und dennoch dürfen wir hier nicht stehen bleiben. Deutsche und Polen haben bewiesen, dass Hass und Streit nicht die letzten Worte der Geschichte sein müssen. Vielmehr hat die konsequente Versöhnungspolitik der letzten 30 Jahren Früchte getragen. Daran hatte auch die katholische Kirche seit dem Bischofsbrief von 1965 und auch Sie, liebe Angehörige der Minderheit, entscheidenden Anteil.

Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang auch an die Worte von Papst Franziskus aus Anlass des Weltjugendtages 2016 auf dem Wawel in Krakau. Der Papst rief damals dazu auf, die gute Erinnerung zu pflegen. Dass Sie, liebe Landsleute, diese Stimme gehört haben und jeden Tag konkret leben, erfüllt mich mit großer Genugtuung. Ich danke Ihnen herzlich dafür.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

Die Wallfahrt der Minderheiten wird seit dem Jahr 1996 begangen. Sie setzt auch heute ein Zeichen von Frieden und Versöhnung im Geiste unseres gemeinsamen christlichen Glaubens.

Die Welt, in der wir leben, steht vor großen Herausforderungen. Alte Gewissheiten drohen zu zerbrechen. Moderne Gaukler schüren Ängste. Sie präsentieren scheinbar einfache Rezepte für  Probleme, die sie nicht lösen können.

Ich möchte Ihnen vor diesem Hintergrund gern von hier aus zurufen: Lassen Sie sich nicht irre machen. Vertrauen Sie auf die Kraft unseres gemeinsamen Glaubens, der Menschen, Kulturen und Sprachen zusammenführt.

Fürchtet Euch nicht, so lautet die christliche Botschaft. In einer Welt voller Unsicherheiten ist diese Botschaft ein guter Kompass, der uns ein Stück weit befreit von den menschlichen und politischen Unzulänglichkeiten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Landsleute,

das Schicksal der deutschen Minderheit in Polen, liegt der Bundesregierung sehr am Herzen. Ihr Engagement für die deutsch-polnische Zusammenarbeit verdient höchste Anerkennung.

Sie können sich darauf verlassen, dass die Bundesregierung Sie weiterhin unterstützen und begleiten wird. Gerade jetzt bei der in Kürze bevorstehenden Sitzung des deutsch-polnischen Runden Tischs werden wir uns nachdrücklich für Ihre Anliegen einsetzen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Tradition der christlichen Versöhnung, die so eng mit dem Sankt Annaberg verbunden ist, gilt es zu bewahren - auch heute wieder, gerade heute wieder.

Wir feiern in diesem Jahr nicht nur den 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs, sondern auch den 30. Jahrestag der Überwindung der Teilung Europas und den Fall der Berliner Mauer.

Wir erinnern uns an die Messe in Kreisau mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem früheren polnischen Ministerpräsidenten Tadeusz Mazowiecki, zelebriert von dem sehr verehrten, damaligen Erzbischof von Oppeln, Alfons Nossol.

Möge jetzt bei den anstehenden Feierlichkeiten der christliche Auftrag der Versöhnung im Mittelpunkt stehen!

Das wünsche ich uns allen, damit das gute, nachbarschaftliche Miteinander zwischen Deutschen und Polen weiter ausgebaut und vertieft werden kann.

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Wallfahrt hier in Sankt Annaberg!

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