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Laudatio zur Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland an Hr. Zdzisław Badio

27.02.2019 - Rede

Liebe Gäste,

ich freue mich, Sie heute hier in meiner Residenz willkommen zu heißen. Wir sind zusammen gekommen, um Sie, sehr geehrter Herr Badio, zu ehren und Ihr Engagement für die polnisch-deutsche Aussöhnung zu würdigen.

Als Präsident der Lubliner Abteilung des Polnischen Verbands Ehemaliger Politischer Häftlinge von Nazigefängnissen und Konzentrationslagern, und Vertrauensperson des Maximilian-Kolbe-Werks haben Sie sich seit Jahren persönlich in außerordentlichem Maße für die Aufarbeitung der deutschen und polnischen Geschichte engagiert. Dadurch haben Sie die Aussöhnung unserer beiden Länder und ihrer Menschen entscheidend vorangetrieben.

Sehr geehrter Herr Badio, sehr geehrter Herr Maciocha,
sehr geehrter Herr Psiuk,

Sie alle sind durch die Hölle gegangen, die Hölle des Konzentrationslagers Majdanek, für die unsere Väter und Großväter die volle Schuld tragen. Ja, es waren Deutsche, die Ihnen und vielen anderen unschuldigen Menschen, Juden und Polen, in deutschem Namen unsagbares Leid zugefügt haben. Aus dieser Schuld ist uns eine große Verantwortung erwachsen. Diese Verantwortung gehört auf immer zur deutschen Staatsräson.

Wir, die nachfolgenden Generationen, können uns das Grauen des Krieges und die Verbrechen Deutscher an und in Polen, die Sie miterlebt haben, kaum vorstellen. Es wäre verständlich, dass Sie, die Sie durch dieses Inferno gegangen sind, ein für alle Mal mit Deutschland gebrochen hätten. Aber Sie haben einen anderen Schluss aus Ihrer Lebensgeschichte gezogen. Gerade weil Sie diese schreckliche Erfahrung in Ihrer Jugend machen mussten, liegt Ihnen die Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen am Herzen.

Sehr geehrter Herr Badio,

mit Ihrem Engagement zeigen Sie konkret, wie die deutsch-polnische Versöhnungsarbeit aussehen kann. Damit weisen Sie gerade auch jüngeren Menschen den Weg der kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte. Wir sind Ihnen hierfür sehr dankbar und möchten Ihnen unseren Respekt  für Ihre großartige Lebensleistung erweisen.

Der Nationalsozialismus hat viele schreckliche Orte des Verbrechens und deutscher Schuld hervorgebracht. Einige dieser Orte sind noch heute erhalten und ihre Mauern bleiben sichtbares Mahnmal dieser Schuld. Soweit wir können, leisten wir einen Beitrag zur Erhaltung derartiger Gedenkstätten. Dies gilt selbstverständlich für das KZ Auschwitz. Weniger bekannt ist es, dass ich kürzlich eine Vereinbarung über die finanzielle Förderung der Konzeption und Fertigung einer Dauerausstellung auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibor unterschrieben habe. Wie Sie wissen, gehört Sobibor heute zum Museum Majdanek. Es ist Ihnen ein besonderes Anliegen, dass alle deutschen Konzentrationslager in Polen Stätten der Erinnerung und des Lernens aus der Vergangenheit bleiben. All diese Orte sind traurige Symbole menschlichen Hasses und von Verbrechen, die die Generation meines Vaters unschuldigen Menschen, Polen und Juden angetan hat. Niemals, so versichere ich Ihnen, dürfen diese Orte des Schreckens in Vergessenheit geraten.

Sehr geehrter Herr Badio,

Sie sind seit dem Jahr 1995 Präsident der Lubliner Abteilung des Polnischen Verbands Ehemaliger Politischer Häftlinge von Nazigefängnissen und Konzentrationslagern. Durch die Zusammenarbeit mit Zeitzeugen leisten Sie und Ihre Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag, die Geschichte zu verstehen und für Menschen, die diese unsäglichen Verbrechen nicht selbst miterlebt haben, erfahrbar zu machen. Die Erinnerung an die abscheulichen Verbrechen, die dort verübt wurden, muss Mahnung und Verantwortung für nachfolgende Generationen bleiben.

Heute sind Sie, Herr Badio, trotz Ihres  Alters weiterhin ehrenamtlich für ehemalige Häftlinge der Konzentrationslager aktiv. Gerade die jüngere Generation liegt Ihnen am Herzen. So betreuen Sie beispielsweise Freiwillige der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ bei Besuchen im Museum Majdanek.

„Ihr seid die besten Botschafter Eures Landes!“, sagten Sie einmal vor einer Gruppe junger Erwachsener. In Erfahrungsberichten der Zuhörer werden Sie immer wieder erwähnt und gerade Ihre einfühlsame Erzählweise bleibt in Erinnerung.

Sehr geehrter Herr Badio,

Ihr persönliches Engagement ist beispielgebend für gelebte Versöhnung zwischen den Menschen unserer beiden Staaten und zwischen Deutschland und Polen. Bundespräsident Frank Walter Steinmeier hat daher beschlossen, Ihnen für Ihre Errungenschaften das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. Es ist mir eine Ehre und große Freude, Ihnen diese hohe Auszeichnung jetzt auszuhändigen.

Ich darf Ihnen den Text der Verleihungsurkunde verlesen.

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