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Unterzeichnung des Vertrages über die Förderung der Dauerausstellung in der Gedenkstätte Sobibor 

Unterzeichnung des Zuwendungsvertrages für die Gedenkstätte Sobibór

Unterzeichnung des Zuwendungsvertrages für die Gedenkstätte Sobibór, © Ambasada Niemiec

20.12.2018 - Rede

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen herzlich, dass Sie gekommen sind, um diesen wichtigen Moment zu begleiten. Direktor Cywiński und werde in Kürze den Vertrag über die Förderung der Dauerausstellung in der Gedenkstätte Sobibor unterzeichnen.

 Wir haben in DEU ein Sprichwort, das besagt: „Was lange währt, wird endlich gut“. Lange haben wir in der Tat gebraucht, bis alle Voraussetzungen geschaffen waren, damit wir die Vereinbarung unterschreiben können. Ich selbst habe bereits anfangs meiner Mission in Polen darüber Gespräche geführt. Umso mehr befriedigt es mich jetzt, dass wir heute zur Tat schreiten können.

Ich freue mich, dass die Regierung der Bundesrepublik Deutschland eine Mio Euro zur Verfügung gestellt hat, damit im Vernichtungslager Sobibor eine Dauerausstellung eingerichtet werden kann. Ich danke allen, die an der Vorbereitung der Entscheidung und der Durchfürung der heutigen Zeremonie mitgewirkt haben.

Das Vernichtungslager Sobibor steht für die absolute Grausamkeit und Unmenschlichkeit, zu der der Mensch fähig ist. Ja, es waren meine Landsleute, die im Namen eines verbrecherischen Regimes Polen, Niederländer, Slowaken, Deutsche und andere Nationalitäten in Sobibor bestialisch ermordet haben. Und ja, Sobibor war eines unter vielen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern im besetzten und unterjochten Polen.

Ich habe diesen erschreckenden Ort mehrfach besucht. Die Besichtigung der Gedenkstätte unter Ihrer fachkundigen Führung, Herr Direktor Kranz, Anfang des Jahres hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es ist schwer die  Abscheu und die Scham, die ich empfinde, in Worte zu fassen.

Unterzeichnung des Zuwendungsvertrages für die Gedenkstätte Sobibór
Unterzeichnung des Zuwendungsvertrages für die Gedenkstätte Sobibór© Ambasada Niemiec

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Die Aktion Reinhardt und die Schrecken des Vernichtungslagers Sobibor sind im deutschen Kollektivgedächtnis bei weitem nicht so präsent wie etwa Auschwitz. Eine dauerhafte Erhaltung der Erinnerung an die Geschehnisse in Sobibor vom Frühjahr 1942 bis Oktober 1943 und die breite Propagierung der Erkenntnisse sind daher von fundamentaler Bedeutung.

Die Erinnerung an die abscheulichen Verbrechen, die dort verübt wurden, muss  Mahnung und Verantwortung für nachfolgende Generationen bleiben. „Nigdy wiecej, never again, nie wieder, plus jamais“, muss die Konsequenz aus der Geschichte lauten. Aber was können wir tun, um genau das zu erreichen?

Die Zeitzeugen, die noch selbst das schreckliche Leid erlebt haben, werden älter und älter. Viele sind schon gestorben. Ausstellungen, wie die in Sobibor geplante können daher einen wichtigen Beitrag leisten, die Erinnerung und das Wissen an die Gräueltaten lebendig zu halten.

Du, lieber Marian Turski, der die deutsche Todesmaschinerie überlebt hat, hast eindringlich appelliert: Die „Täter waren keine genetisch bedingten Kriminellen“, sondern „einfache Leute“, die sich so verhielten, weil „Hass ihre Bildung war und ihnen von klein auf Verachtung für Menschen angelernt wurde, die anders sind als sie“.

Wachhalten und Eintreten für die historische Wahrheit heisst daher, dass  wir auch in der heutigen Zeit  die Wertschätzung jedes Menschen, unabhängig von seiner Ethnie, Religion, politischen Einstellung oder geistigen Verfassung gerade der jungen Generation vermitteln müssen.

Die Daueraustellung in Sobibor und die Vereinbarung, die ich heute die Ehre habe, für die Bundesrepublik Deutschland zu unterzeichnen, werden hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Warschau, den 19.12.2018

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