Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Eröffnung des „Abends der Deutschen Industrie“ bei der COP-24

10.12.2018 - Rede

Meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute Abend im Namen des Auswärtigen Amtes, beim „Abend der Deutschen Industrie“ zu begrüßen.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist die Überlebensfrage der Menschheit. Er kann nur international und multilateral gewonnen werden und die Anstrengungen müssen gemeinsam unternommen werden.

Die COP 24 bringt fast 184 Länder zusammen. Sie werden von Unternehmen und der Zivilgesellschaft weltweit unterstützt. Gemeinsame Regeln und Transparenzmechanismen für die Umsetzung der Pariser Klimaziele müssen jetzt unbedingt festgelegt werden.

Mit dem Pariser Übereinkommen ist der Wechsel von einem “top down” zu einem “bottom up” Ansatz vollzogen: Die Staaten legen ihre nationalen Klimaziele selbst fest. Subnationale Akteure bringen sich mit eigenen – oft sehr viel ambitionierteren Zielen – ein. In einer Zeit, in der sich Staaten vom internationalen Klimakonsens verabschieden, ist dieser Ansatz unseres Erachtens erfolgversprechend. Und er macht das Klimaregime tendenziell widerstandsfähiger.

Wir begrüßen es daher, dass der kalifornische Global Climate Action Summit vom September 2018 in San Francisco das starke Gewicht subnationaler Akteure, vor allem der großen Städte, beim internationalen Klimaschutz hervorgehoben hat.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die Umsetzung des Übereinkommens von Paris verlangt eine globale Transformation unserer Lebensweise. Sie kann nur im Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gelingen.

Die Wirtschaft geht an vielen Stellen mit großen Schritten voran. Beispielhaft dafür kann die Studie unseres Co-Gastgebers BDI vom Anfang des Jahres genannte werden. In der Publikation „Klimapfade für Deutschland“ werden kosteneffiziente Wege hin zu einer emissionsarmen Wirtschaftsweise aufgezeigt. Ferner fördert die Dialogplattform „Wirtschaft macht Klimaschutz“, in deren Steering Committee zahlreiche DAX-Unternehmen vertreten sind, den Austausch über die Schnelligkeit auf dem Weg hin zu einer emissionsarmen Wirtschaft.

Dabei ist es zentral zu fragen, wie der Transformationsprozess und damit der notwendige Strukturwandel sozialverträglich gestalten werden können. Unter dem Stichwort „Just Transition“ hat die Konferenz ein Dokument verabschiedet, das sich mit dieser Problematik befasst. Auch in Polen wird diese wichtige Frage wie in Deutschland heiß und kontrovers diskutiert.

Lassen Sie uns bei allen Herausforderungen auch die Chancen einer ambitionierten Klimapolitik im Blick behalten.

Die Transformation hin zu emissionsarmen Volkswirtschaften bringt vielfältige, greifbare Vorteile mit sich. Sie schafft Wachstum, verbessert die Gesundheit unserer Bevölkerungen und verhindert negative Effekte auf Ökosysteme.

Viele Unternehmen haben die Chancen und Risiken des Klimawandels für ihr Geschäftsmodell erkannt:

  • Bestimmte Produkte und Märkte können unter Druck geraten. Handelswege werden sich öffnen z.B. die Nord-Ost-Passage und damit neue Wachstumsmöglichkeiten schaffen.
  • Für neue Unternehmen in Branchen mit geringem “Carbon Footprint” werden sich erhebliche Marktchancen ergeben.
  •  Volkswirtschaften, die sich rechtzeitig auf den Klimaschutz umstellen, werden davon mittelfristig profitieren.

Wie genau, dazu haben Sie heute Gelegenheit, sich auszutauschen. Es geht dabei um Schlüsseltechnologien von morgen, ohne die unsere modernen Volkswirtschaften sich in Zukunft kaum positiv entwickeln können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Klimaschutz ist ein öffentliches Gut. Kampf gegen den Klimawandel und Anpassung erfordern aber immer eine individuelle Anstrengung.

Für den Transformationsprozess hin zu einer klimafreundlichen Volkswirtschaft ist eine aktive Rolle des Staates notwendig. Der Staat muss Rahmenbedingungen schaffen, um Fehlanreize zu beseitigen.

Er sollte zudem durch regulatorische und steuerliche Maßnahmen die Anpassung an das neue Wirtschaften begünstigen.

Die direkten Folgen des Klimawandels, wie Wasserknappheit, Verschlechterung der Böden oder Extremwetterereignisse, treffen Unternehmen entlang ihrer Wertschöpfungskette.

Die deutsche Außenpolitik fragt darüber hinaus nach der Rolle des Klimawandels als Risikomultiplikator für Krisen und Konflikte aller Art.

Eine präventive Außenpolitik verlangt es, die mit dem Klimawandel einhergehenden individuellen und kollektiven Sicherheitsrisiken zu verstehen und zu mindern, damit Konflikte erst gar nicht entstehen bzw. frühzeitig begrenzt werden können.

Eine zentrale Ursache von Konflikten ist der Ressourcenmangel, also etwa die Verknappung von Wasser und Lebensmitteln. Hier wäre interessant zu erfahren, ob es Ansätze in Ihren Unternehmen gibt, diesem Mangel zu begegnen.

Ein Austausch zwischen „Klimadiplomaten“ und Vertretern der Wirtschaft zu solchen Fragestellungen könnte für beide Seiten nützlich sein. Vielleicht kommen wir schon heute Abend z.B. über best practices im Risikomanagement und andere Fragen ins Gespräch.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen anregende und ertragreiche Diskussionen. Vielen Dank.

nach oben