Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Laudatio von Botschafter Nikel zur Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern der Bundesrepublik Deutschland an Hr. Prof. Dr. hab. Krzysztof Penderecki

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern an Krzysztof Penderecki

Verleihung des Großen Verdienstkreuzes mit Stern an Krzysztof Penderecki, © Botschaft Warschau

28.11.2018 - Rede

Maestro, sehr geehrter Herr Professor Penderecki,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie, sehr geehrter Herr Professor Penderecki, und Ihre Gattin Elzbieta hier willkommen zu heißen. Wir haben uns heute mit Ihren (soweit vorhanden: Familienmitgliedern,) Freunden und Bekannten zusammengefunden, um Ihr Lebenswerk im Blick auf Deutschland zu würdigen.

 

Als Komponist, Dirigent und Hochschullehrer haben Sie sich auf vorbildliche Weise um die deutsch-polnische Verständigung verdient gemacht.

Bereits 1990 verlieh Ihnen daher der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker  das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Jetzt ist  Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zu der Überzeugung gelangt, Sie mit einer noch höheren Rangstufe des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu ehren. Dass ich Ihnen diese hohe Auszeichnung im zeitlichen Zusammenhang mit Ihrem 85. Geburtstag am vergangenen Freitag überreichen darf, erfüllt meine Frau und mich mit großer Freude. Ich nutze an dieser Stelle noch einmal die Gelegenheit, Ihnen herzlich zum Geburtstag zu gratulieren. Sto lat!

Sehr geehrter Herr Professor Penderecki,

Musik ist das völkerverbindende Medium par excellence. Sie sucht Einheit, verbindet und führt Kontraste zusammen, wie Daniel Barenboim einmal gesagt hat. Auf Persönlichkeiten wie Sie, lieber Krzysztof Penderecki, trifft diese Bemerkung Barenboims passgenau. Ja sie personifizieren geradezu diese Definition. Die Kontraste im Klang und die Vielgestaltigkeit Ihrer Kompositionen durchbrechen Grenzen und öffnen  Hörfenster. Das Festival aus Anlass Ihres Geburtstags letzte Woche gab hierfür ein gutes Beispiel.

Hinzu kommt: Ihre Offenheit und Toleranz, geprägt von humanistischen Idealen und tief verwurzelt im katholischen Glauben, schaffen menschliche Verbindungen auch über die Musik hinaus.

Ihr deutscher Verleger hat Sie anlässlich Ihres 80. Geburtstags vor 5 Jahren als guten Gärtner bezeichnet. Das meinte er im engeren wie im übertragenen Sinn. In Ihnen vereint sich musikalische Gestaltungskraft mit Hingabe zur Natur. Sie säen den Samen der Musik wie Sie Ihre Bäume in Ihrer Baumplantage, dem größten privaten Arboretum in Polen, hegen und pflegen.

Auch wir versuchen mit unserem Projekt der Deutsch-Polnischen Gärten in Warschau die Freundschaft zwischen unseren Nationen zu pflegen. Vielleicht dürfen wir einmal einen deutsch-polnischen Freundschaftsbaum in Ihrem Garten pflanzen.

Auch den musikalischen Nachwuchs hegen und pflegen Sie, indem Sie ihn intensiv  fördern. An Ihrem  Europäischen Zentrum in Luslawice verbinden Sie Studienstätte, Campus und Konzertsaal effizient miteinander.

Zu Deutschland und zu deutschen Künstlern haben Sie vielfältige Verbindungen und lange Freundschaften geknüpft. Vor 5 Tagen waren wir Zeugen einer bewegenden Aufführung Ihrer „Metamorphosen“ durch Anne-Sophie Mutter im Teatr Wielki. Diese wunderbare Komposition haben Sie 1995 der großartigen deutschen Violinistin gewidmet. Mit ihr sind Sie in einer langjährigen fruchtbaren Freundschaft verbunden.

Ihre eigenen „musikalischen Verwandlungen“, wenn ich diesen Begriff gebrauchen darf, erstrecken sich über beeindruckende fast 70 Jahre. Sie haben über 100 Musikstücke, 8 Symphonien, 4 Opern, 26 Solostücke und vieles andere mehr komponiert, einige Werke auch auf Wunsch deutscher Institutionen.

So haben Sie z.B. Ihre berühmte Lukaspassion auf Bitten des WDR für das 700 jährige Jubiläum des Paulus-Doms in Münster erarbeitet. Das „Credo“ schufen Sie im Auftrag der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Die Doppelpremiere Ihrer Oper „Die Teufel von Loudon“ fand in der Hamburger Staatsoper und 2 Tage später im Württembergischen Staatstheater Stuttgart statt.

Ihr musikalisches Genie macht Sie zum bedeutendsten lebenden zeitgenössischen Komponisten weltweit. Ihr Schaffen und die Energie, mit der Sie zu Werke gehen, werden auf der ganzen Welt und insbesondere in Deutschland bewundert, Ihre vielfältigen Kompositionen widersetzen sich einer klaren Einordnung. Wer genau hinhört, erkennt vielfältige Einflüsse aus der ganzen Welt, vom chinesischen Lied über deutsche Weihnachtslieder bis hin zu Beethoven, Schostakowitsch, Strawinski und vielen anderen.

Mit der Avantgarde haben sie schon in den 70er Jahren gebrochen, weil diese – wie Sie selbst sagen – die Musik verraten habe. Ihr Frieden mit der Tradition war allerdings, wenn ich ihr weiteres Werk betrachte, allenfalls ein Waffenstillstand, wenn Sie mir diese diplomatische Analogie erlauben.

Wo immer Sie hinreisen, sogar im Flugzeug, so höre ich, komponieren Sie. Ihre Beziehung zu DEU war und ist eng. In den späten 60er Jahren lehrten Sie an der Folkwangschule in Essen. Auch in Berlin haben Sie eine Zeit lang gewohnt. Ihr kompositorisches Werk ist beim Schott-Verlag in Mainz am Rhein verlegt.

Sie sind vielfältig politisch engagiert. Zahlreiche Ihrer Musikstücke verstehen sich als Friedensbotschaften. „Dies irae“ verewigt das Andenken der Opfer von Auschwitz, das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Für die Einweihung des Denkmals zum Arbeiteraufstand der Solidarnosc schufen Sie „Lacrimosa“, die Grundlage für das Polnische Requiem. Gerade kürzlich erklang im Rahmen eines Festkonzerts Ihre Fanfare zum 100. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens.

Ihr Engagement für die deutsch-polnische Verständigung ist exemplarisch. Ihre Musik hat unvergessliche Momente der Begegnung zwischen Deutschen und Polen möglich gemacht.

Mit  dem Bundesjugendorchester gastierten Sie im Jahr 2000 in der Jugendbegegnungsstätte Kreisau. Genauso wie mit unterschiedlichen Orchestern bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Kompositionen haben einen wichtigen Einfluss auf das internationale Musikprojekt „Kreisau Musik“ genommen. In diesem Jahr  wurde Ihr Sextett in Kreisau von Musikern aus China, Russland, Uruguay, Polen, Portugal und Deutschland erarbeitet.

Sie sind im besten Sinne des Wortes Weltbürger, Europäer und polnischer Patriot zugleich. Sie vereinen Klugheit, Bescheidenheit und Humor, ja sogar eine gewisse Verschmitztheit in einer Ihnen eigenen Mischung. Diese Charaktereigenschaften gepaart mit Ihrer Musik machen Sie zu einem wichtigen musikalischen Brückenbauer zwischen Ost und West, zwischen Deutschland und Polen und zwischen der asiatischen Welt und Europa.

Sehr geehrter Herr Professor Penderecki,

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht bekanntlich eine starke Frau. Das gilt insbesondere für Ihre charmante Gattin Elzbieta. Sie ist Ihnen Ehefrau, Muse, Außenministerin und Beraterin zugleich. Wie ich höre, mussten Sie erst Elzbietas Mutter überzeugen und lange kämpfen, bevor Sie das schönste Mädchen Krakaus an den Traualtar führen konnten. Was daraus geworden ist, kann man an der über 50 Jahre währenden Ehe ablesen.

Das „Ludwig van Beethoven – Osterfestival“, das Elzbieta ins Leben gerufen hat, begeistert seit vielen Jahren die Zuhörer aus nah und fern. Das Festival bildet den jährlichen Höhepunkt  klassischer Musik in Polen, auf den auch meine Frau und ich uns jedes Jahr freuen. Auch bekannte deutsche Orchester, Dirigenten und Solisten sind fester Bestandteil des Programms. Sie begeistern die Musikfreunde aus Warschau und der ganzen Welt jedes Jahr aufs Neue mit ihren hochkarätigen Darbietungen.

Sehr geehrter Herr Professor Penderecki,

Sie haben sich als Komponist, Dirigent und Hochschullehrer um die deutsch-polnischen Beziehungen in herausragender Weise  verdient gemacht. Daher hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Ihnen für Ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Es ist eine große Ehre und Freude für mich, Ihnen diese hohe Auszeichnung jetzt auszuhändigen.


nach oben