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Rede des Botschafters anlässlich der WDA-Europatagung 2018 in Warschau

16.11.2018 - Rede

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, Sie anlässlich der Europatagung des Weltverbands Deutscher Auslandsschulen hier begrüßen zu können.

Der WDA erfüllt eine wichtige Aufgabe. Als unabhängiger Verband unterstützt er mit seinen Serviceleistungen die Schulträgervereine und die Schulen. Damit trägt er nachhaltig zum Kulturaustausch und zur Völkerverständigung bei. Er ist deshalb seit seinem Bestehen ein wichtiger Akteur der deutschen auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik.

Ich danke Ihnen allen, die sich der Verbandsarbeit widmen, sehr herzlich für Ihr großes Engagement!

Ebenso danke ich dem diesjährigen Gastgeber, der Willy Brandt Schule dafür, dass sie in diesen Tagen ein Forum für den Austausch über aktuelle Fragen des deutschen Auslandsschulwesens bietet.

Die deutschen Auslandsschulen sind überwiegend Schulen in privater Trägerschaft. Daher gilt mein Dank in besonderer Weise auch allen Ehrenamtlichen, die sich in den Schulvereienen engagieren.

Sie sind es, die mit Ihrer Arbeit zu Erfolg und Erscheinungsbild ihrer jeweiligen Schule und damit zum guten Bild Deutschlands im Ausland beitragen. Die deutschen Botschaften im Ausland legen großen Wert auf eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen. Machen Sie weiter so.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ihre Entscheidung, die Europatagung in diesem Jahr in Warschau abzuhalten, mag viele Gründe gehabt haben. Am richtigen Ort sind sie hier allemal. Polen und insbesondere Warschau haben sich in den letzten Jahren außerordentlich dynamisch entwickelt. Das gilt für die Wirtschaft wie die Kultur gleichermaßen und ist fast überall mit Händen zu greifen. Auch politisch ist es spannend, wenn auch für diejenigen, die sich tagtäglich um die deutsch-polnischen Beziehungen kümmern, nicht immer einfach.

An wichtigen Daten mangelt es in diesem Jahr nicht. Vor 5 Tagen hat Polen den 100. Jahrestag seiner Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens gefeiert. Im Juni des Jahres begingen wir das 40-jährige Jubiläum der Willy Brandt-Schule Warschau.

Ich verstehe Ihren Besuch auch als Verbeugung vor der polnischen Geschichte, die vielleicht wie keine andere mit der deutschen verbunden ist. Diese gemeinsame Geschichte war in den letzten 200 Jahren oft durch tragische Kapitel geprägt – von der Beteiligung Deutschlands an den polnischen Teilungen bis hin zur rassenideologischen Vernichtung im Dienste eines verbrecherischen Regimes im 2. Weltkrieg. Dass nach diesem absoluten Tiefpunkt wieder neues Vertrauen, ja Freundschaft gewachsen ist, grenzt an ein Wunder.

Wir sind den Polen sehr dankbar, dass sie - die Opfer - den Nachfahren der Täter die Hand zur Aussöhnung ausgestreckt haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ihre Schüler lernen tagtäglich zusammen mit Mitschülern unterschiedlicher Nationalitäten und schließen Freundschaften. Sie eröffnen sich damit ein Leben mit verschiedenen Sprachen und Kulturen.

Für viele junge Menschen ist dieses in vieler Hinsicht außerordentliche Leben zur Normalität geworden – vielleicht zu normal. Viele junge Leute halten die Möglichkeiten, die ihnen das zusammenwachsende Europa bietet, für selbstverständlich. Dabei zeigt der Blick auf die Geschichte, dass der lange Frieden, wie wir ihn in Europa erleben, Prosperität, Reisefreiheit etc. keineswegs selbstverständlich sind.

Dabei sind diese Erfolge vielmehr die Frucht einer bewussten jahrzehntelangen Aussöhnungs- und Partnerschaftpolitik, die heute unter dem Ansturm nationalistischer und populistischer Strömungen an vielen Orten unseres Kontinents unter die Räder zu geraten droht.

Die deutschen Auslandsschulen haben daher heutzutage in besonderer Weise die Aufgabe, nicht nur Persönlichkeiten zu formen, die fit für den interkulturellen Austausch sind – so wichtig dieser Aspekt auch ist.

Es geht vor allem auch darum, bewusst zu machen, dass dieses Europa, das uns allen so großartige Chancen bietet, zerbrechlich ist, sehr zerbrechlich. Und dass es darauf ankommt, dass jeder einzelne dieses Europa und seine Werte verteidigt.

Meine Generation hat unsere Eltern gefragt, wo wart ihr eigentlich als Deutschland ganz Europa und darüber hinaus mit Krieg überzog. Bewahre uns Gott vor der möglichen Frage unserer Nachkommen, wo wart ihr eigentlich als Europa zu zerbrechen drohte.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich beglückwünsche alle Beteiligten für die Auswahl der Willy Brandt Schule als Begegnungsort. Die Willy Brandt-Schule als deutsch-polnische Begegnungsschule mit mehr als 80 % von Schülern und Schülerinnen polnischer Herkunft erfüllt eine wichtige Mittlerrolle zwischen unseren Ländern. Sie fördert ein friedvolles Miteinander, bei dem Respekt füreinander und Toleranz an erster Stelle stehen.

Sie leistet damit einen bedeutsamen Beitrag zu Gegenwart und Zukunft der deutsch-polnischen Freundschaft.

Dabei kommt es auf jeden Einzelnen, auf Schüler und Schülerinnen, Eltern, Pädagogen und all jene an, die sie unterstützen. Sie kennen beide Welten, verstehen die Unterschiede und sind besser als andere gegen Stereotypen und Klischees gerüstet. Sie sind im besten Sinne Anwälte der deutsch-polnischen Freundschaft!

Für die Zukunft wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und uns allen einen schönen Abend und gute Gespräche in informeller Atmosphäre.

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