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Diskussionsabend mit Filmvorführung und Ausstellung zu Leben und Werk Harry Graf Kesslers

26.10.2018 - Rede

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Wissenschaft und Geschichte,

Es ist mir eine große Freude und Ehre, Sie zum Diskussionsabend zu Leben und Werk einer meiner Vorgänger, Harry Graf Kessler, begrüßen zu dürfen. Unsere Veranstaltung soll auch an das diesjährige Jubiläum Polens - 100 Jahre Wiedererlangung der Unabhängigkeit - erinnern.

Aus diesem Anlass haben wir uns mit der Geschichte der deutschen diplomatischen Vertretung im unabhängigen Polen beschäftigt. Heute Abend stellt ein Dokumentarfilm uns den ersten deutschen Gesandten 1918 vor: Harry Graf Kessler. Im Anschluss hören wir zu diesem Thema Sie, lieber Professor Easton, und Sie, lieber Professor Borodziej.

Eine Ausstellung mit 9 Tafeln zeigt einzelne Aspekte aus Leben und Werk Kesslers. Sie soll am Zaun unserer Botschaft angebracht werden. Später wird sie auch in anderen polnischen Städten zu sehen sein. An dieser Stelle möchte ich Ihnen, sehr geehrte Herren Professoren, der Harry-Graf-Kessler-Gesellschaft und Ihnen, sehr geehrte Frau Carbon, für Ihre Arbeit an Ausstellung und Film sowie Ihr besonderes Interesse an der Person Kesslers danken.

Harry Graf Kessler erreichte Warschau am 17. November 1918. Als erster deutscher Gesandter im wieder unabhängigen Polen nutzten er und seine Delegation die Räumlichkeiten im Hotel Bristol. Später zog die deutsche Gesandtschaft in die Aleja Ujazdowskie 22, wo provisorische Büros eingerichtet wurden. Heute Abend befinden wir uns nicht weit von dort.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Ehre -  als Nachfolger Harry Graf Kesslers - 100 Jahre später Polen zum Jubiläum der Wiedererlangung der Unabhängigkeit zu gratulieren.

Neben Persönlichkeiten der politischen Öffentlichkeit war Harry Graf Kessler auch in Kontakt mit Schriftstellern und Künstlern seiner Zeit: eine schillernde Person in bewegten Zeiten. In seinen Tagebüchern und den Feldpostbriefen wird Kesslers Auffassungsgabe für die politische Welt und die Geschehnisse um ihn herum deutlich.

Eine polnische Übersetzung der Briefe aus dem Ersten Weltkrieg überreichte Bundespräsident Steinmeier bei seinem Besuch im Juni in Warschau an Präsident Duda. Harry Graf Kesslers Beobachtungen und Einschätzungen der historischen Umwälzungen seiner Zeit mit Krieg und Revolution sind wertvolle Dokumente eines Zeitzeugen. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie in Deutschland wurde Kessler zum überzeugten Demokraten und Pazifisten. Er engagierte sich für die deutsche Friedensgesellschaft. Außerdem warb er für seinen Entwurf eines Völkerbundes.


Meine sehr geehrten Damen und Herren:

Der Blick auf die Vergangenheit formt unseren Blick auf die Gegenwart. Ein gemeinsamer historischer Blick kann helfen, Vorurteile und Fehlperzeptionen abzubauen. Ein gemeinsamer historischer Dialog wie heute Abend von verschiedenen Partnern initiiert, ist unverzichtbar.  Wenn wir ihn führen, tragen wir zur weiteren Verständigung bei. Wenn wir die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen, können wir besser  unsere gemeinsame Zukunft im geeinten Europa gestalten.

Ich freue mich auf die Impulse der heutigen Diskussion, der Ausstellung und des Dokumentarfilms. Anschließend laden meine Frau und ich sie gern zu einem Empfang nebenan ein.

Ich wünsche uns allen einen anregenden Abend und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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