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Grußwort von Botschafter Rolf Nikel zum Tag der Deutschen Einheit 2018

03.10.2018 - Rede

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,
Ladies and Gentlemen,
Ein herzliches Willkommen zum Tag der Deutschen Einheit 2018. Vielen Dank, dass Sie gekommen sind, diesen Tag mit uns zu feiern.
A warm welcome to German Unity Day 2018. Thank you for being with us tonight.

Am 3. Oktober jährt sich zum 28. Mal der Tag der Deutschen Einheit. An diesem Tag haben wir Deutsche in freier Selbstbestimmung und in vollem Einvernehmen mit unseren Nachbarn unsere staatliche Einheit wiedererlangt. Es war und ist einer der glücklichsten Momente in unserer Geschichte.

Mutige Menschen in der damaligen DDR hatten im Jahr zuvor, das Tor zur Freiheit mit Macht aufgestoßen. Polen hat zu dieser Entwicklung in dreifacher Weise beigetragen.

Das Freiheitstreben der Ostdeutschen spürte erstens im Kampf der Solidarität eine mächtige Quelle der Inspiration. Durch die tatkräftige Hilfe für die DDR-Bürgerinnen und Bürger auf der Flucht wurde Polen zweitens zu einem Sargnagel des maroden SED-Regimes. Schließlich hat Polen an der Lösung der außenpolitischen Aspekte der deutschen Einheit im 2-plus 4-Vertrag konstruktiv mitgewirkt.

Ich danke Polen für seinen wichtigen Beitrag zur deutschen Einheit. Wir wissen, was es bedeutet, dass Polen uns trotz der unsäglichen Verbrechen verübt von Deutschen im deutschen Namen die Hand zur Versöhnung gereicht hat.

Der Versöhnungsprozess hat viele Väter. So spannt sich der Bogen von den wegweisenden Dokumenten der Kirchen über Willy Brandts Kniefall bis zur Versöhnungsmesse mit Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki in Kreisau.
Viele andere haben den Prozess mitgestaltet und weitergeführt. Das gilt in besonderem Maße für Ihr Bundesland Nordrhein-Westfalen, und für Sie persönlich, Herr Ministerpräsident.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Polen feiert in diesem Jahr den 100. Jahrestag der Wiedererlangung seiner Unabhängigkeit. Bei seinem Besuch in Polen im Juni hat Bundespräsident Steinmeier persönlich zu diesem Fest gratuliert. Auch ich gratuliere herzlich zu diesem Ereignis!

Einen kleinen Beitrag hierzu konnte auch einer meiner Vorgänger leisten, Harry Graf Kessler. Er hat Marschall Pilsudski damals aus der Festungshaft in Magdeburg befreit und dafür gesorgt, dass er wohlbehalten in Warschau ankam.
Wer mehr über die schillernde Persönlichkeit Kesslers wissen möchte, kann sich an den Schautafeln am Eingang zum Bartoszewski-Saal näher informieren.
Die polnische Geschichte ist eine Geschichte beeindruckender nationaler Selbstbehauptung. Immer wieder hat sich Polen gegen Aggression und Fremdbestimmung wehren müssen. Wir Deutsche sind im 2. Weltkrieg am polnischen Volk schuldig geworden. Zum Zeichen unserer Trauer und Scham hat die Botschaft zuletzt am 1. September Halbmast geflaggt.
Heute darf ich Ihnen versichern, dass Deutschland zu seiner historischen Verantwortung steht. Wir verneigen uns vor den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft, ganz besonders hier in Polen. Vor einiger Zeit habe ich einer Gruppe von Teilnehmern des Warschauer Aufstands das Bundesverdienstkreuz überreicht. Es ist für mich eine Ehre, dass einige der Ordensträger heute unter uns sind.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

vor dem Hintergrund dieser Geschichte kann man nicht hoch genug schätzen, dass unsere beiden Länder heute  in Freundschaft in der Europäischen Union und in der NATO verbunden sind. Doch dieses Europa steht heute vor vielfältigen Herausforderungen.
Unsere Antwort auf diese Herausforderungen kann nur darin bestehen, dass wir noch stärker zusammenstehen - Polen und Deutsche - insbesondere mit unseren französischen Freunden im Weimarer Dreieck und den anderen Partnern.
Europa ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Wir müssen es schützen, pflegen und ausbauen. Das ist gerade jetzt entscheidend, wo die Gespenster der Vergangenheit wieder ihr Haupt erheben.
Europa ist vor allem eine Wertegemeinschaft. Polen hat in seiner langen großen Geschichte viel zu unseren gemeinsamen Werten beigetragen. Mit dem Widerstand im 2. Weltkrieg und mit der Solidarność hat Polen eines der wunderbarsten Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte geschrieben. Die Kirchen, insbesondere die katholischen Bischöfe, Polens haben mit ihrer Versöhnungs- und Friedenspolitik die christlichen Grundlagen unseres Kontinents gestärkt.
Die Werte, für die wir in der EU stehen, leuchten noch immer. Ja sie leuchten in unserer heutigen konfliktbeladenen Welt vielleicht sogar heller als zuvor. Wir müssen diese Werte auch leben, damit wir international glaubwürdig bleiben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Deutschland und Polen sind Freunde und Nachbarn im Herzen unseres Kontinents. Wir wollen Polen auf dem Weg in unsere gemeinsame europäische Zukunft ein enger und aufrichtiger Partner sein.

Es gibt keine gute europäische Zukunft ohne enge deutsch-polnische Zusammenarbeit. Es gibt heute keine enge deutsch-polnische Kooperation ohne ein gemeinsames europäisches Projekt. Lassen Sie uns daran arbeiten.

Es lebe die Bundesrepublik Deutschland. Es lebe die Republik Polen. Es lebe die deutsch-polnische Freundschaft in einem gemeinsamen Europa.


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