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Eröffnung der Jahrestagung des Verbands polnischer Germanisten

Eröffnung der Jahrestagung des Verbands polnischer Germanisten

Eröffnung der Jahrestagung des Verbands polnischer Germanisten, © Silvia Bonacchi

25.05.2018 - Artikel

Grußwort des Botschafters Nikel

-Es gilt das gesprochene Wort-

Sehr geehrte Frau Professorin Żebrowska,

sehr geehrte Damen und Herren Professorinnen und Professoren,

sehr geehrte Frau Dr. Knabel,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Einladung. Ich freue mich sehr, in diesem Jahr wieder auf Ihrer Jahrestagung auf Ihrer wichtigsten Veranstaltung im Jahr zu Gast zu sein.

Diese Möglichkeit möchte ich nutzen, um Ihnen für Ihre exzellente Arbeit zu danken. Mein Dank gilt allen Germanistinnen und Germanisten in Polen, die sich mit großem Engagement und Erfolg für die deutsche Sprache einsetzen.

Im deutsch-polnischen Verhältnis sind die Worte „Aussöhnung“ und „Verständigung“ von ganz zentraler Bedeutung. Viel ist erreicht worden. Beides wäre ohne eine gemeinsame Sprache, ohne Wissen über den jeweils Anderen nicht möglich. Sie vermitteln dieses Wissen. In diesem Sinne trägt die Germanistik sehr viel zum besseren Verständnis zwischen Deutschland und Polen bei. Sie hilft, Brücken zu bauen und fördert die Aussöhnung. Das ist gerade jetzt von besonderem Wert.

Das Programm Ihrer Tagung, das Sie sich für heute und morgen vorgenommen haben, ist vielfältig, innovativ und lebendig. Es deckt viele wichtige Bereiche der Hochschulgermanistik ab. Es zeugt von dem geistigen und wissenschaftlichen Reichtum, für den der Verband polnischer Germanisten steht.

Ein Seminartitel ist mir besonders ins Auge gesprungen. Gestatten Sie mir, diesen aus der Fülle spannender Vorträge herauszugreifen. „Aufgabenfelder einer zukunfts- und berufsorientierten Germanistik“.

Wie Sie alle sehr gut wissen, befinden wir uns in Polen eigentlich im Paradies der Auslandsgermanistik. Und wer zerbricht sich im Paradies schon den Kopf über die Zukunft? Aber auch im Land mit den meisten Deutschlernenden weltweit und dem mitgliederstärksten Germanistenverband ziehen kleine Wölkchen am Horizont auf.

Eröffnung der Jahrestagung des Verbands polnischer Germanisten
Eröffnung der Jahrestagung des Verbands polnischer Germanisten© Silvia Bonacchi

Die Bildungsreform gehört in diese Kategorie. Deutsch wird in der Regel als zweite Fremdsprache gewählt. Schülerinnen und Schüler beginnen nun also erst in der 7. Klasse mit dem Deutschunterricht. Und das auch nur im Rahmen von zwei Wochenstunden. Damit verschärft sich ein Trend, der der Hochschulgermanistik bereits jetzt zu schaffen macht.

Studierende beginnen ihr Germanistikstudium häufig „nur“ noch mit Deutschkenntnissen auf Niveau A2/B1. Bevor es also mit der Wissenschaft losgehen kann, steht erst einmal Sprachunterricht auf dem Programm.

Das ist an sich kein Problem. Im umgekehrten Fall – an deutschen Instituten der Slavistik bzw. Polonistik – ist es ebenso. Für Sie wird dieser neue Umstand jedoch eine Anpassung Ihrer Didaktik und Lehrpläne notwendig machen.

Gleichzeitig haben wir im Bereich Deutsch als Fremdsprache aber auch ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Das Interesse an Deutsch steigt, weil sich die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen positiv entwickeln. Das Volumen des deutsch-polnischen Handels ist im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordhoch angestiegen.

Damit ist klar: Die deutsche Sprache bietet auf dem polnischen Arbeitsmarkt beträchtliche Chancen. Englisch mag heutzutage ein „Muss“ sein, aber Deutsch ist ein „Plus“ – häufig das entscheidende Plus bei einer Bewerbung. Dies gilt umso mehr, wenn die Bewerber auch einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum in einem deutschsprachigen Land absolviert haben.

Neue Zielgruppen werden für die Fachdidaktik interessant. Ich denke z.B. an Schülerinnen und Schüler von Berufsschulen. Aber auch an Studierende von Gesellschafts- und Naturwissenschaften, die das Lehramt anstreben. Wenn diese bereits im Studium Deutsch lernen, können sie später in bilingualen Schulen Fachunterricht auf Deutsch unterrichten.

Eröffnung der Jahrestagung des Verbands polnischer Germanisten
Eröffnung der Jahrestagung des Verbands polnischer Germanisten© Silvia Bonacchi

Das „Plus Deutsch“ sichert ihnen nicht nur eine schnellere Einstellung sondern auch ein höheres Gehalt.

Für die Hochschulgermanistik bedeutet das die Erschließung neuer Terminologiefelder und die Entwicklung neuer didaktischer Ansätze. Erforderlich ist auch eine kluge Werbestrategie, um neue Zielgruppen für Deutsch und die Germanistik zu begeistern.

Die Aufgabenfelder einer zukunfts- und berufsorientierten Germanistik sind also wahrlich vielfältig.

Nun bin ich sehr auf den wirtschaftlichen Nutzen der Germanistik eingegangen. Ich möchte nicht gehen, ohne Ihnen eines zu versichern. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Germanistik mehr ist als Deutschunterricht. Und dass Wissenschaft nicht immer einen messbaren volkswirtschaftlichen Nutzen hat. Wissenschaft dient zuallererst dem Erkenntnisgewinn.

Einen solchen wünsche ich Ihnen in Form von fruchtbarem Austausch und Ihren fachlichen Diskussion in den kommenden zwei Tagen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Warschau, den 25. Mai 2018